Kategorie-Archiv: THEMA

THEMA: Islands Strandgut

 

Islands Küstenlinie misst 4970km, neben den steilen Vogelfelsen auch zahlreiche Strände, meist schwarz wie Lavastein und vereinzelt aus bunten Muschelschalen, wie am Rauðasandur. Jedes Stück Land gehört zu einem Hof und so liegt es nicht fern, dass Schafe, Pferde und Kühe bis auf den Strand weiden. Die Tourismusindustrie wirbt mit tollen Strandbildern und wir sehen sogar Surfer in der Brandung. Doch da gibt es noch einen Dritten im Bunde – die Fischer Islands, die sich vor der Küste hart ihr täglich Brot verdienen. Die raue und stürmische See verlangt ihnen einiges ab und nimmt ihnen alles, was sie nicht fest genug gezurrt haben. Kanister, Seile, Netzte, Bojen, Schuhe, Fässer, etc. Alles landet früher oder später wieder am Strand und versandet teilweise zwischen dem Treibholz aus Sibirien. Der „Plastikmüll“ kommt sicher nicht aus Sibirien, denn er trägt europäische Aufschriften. Wenige Landbesitzer pflegen ihre Strände, beräumen das Treibgut und recyceln es z.B. als Vogelscheuchen.

Unansehnliche Fotomotive bieten sich uns deshalb viele. Wir verschonen euch aber damit und präsentieren euch lieber weiter die schönen Seiten Islands. Nur ein Bild soll euch zeigen, wie viele Bojen wir auf ca. einem Quadratkilometer Strand gefunden haben. Es entstand direkt neben dem Fährhafen zu den Westmännerinseln – 34 bunte Kugeln!

Island hat viele kreative Köpfe, die sogar runde Strandkieselsteine* wie kleine Männlein bemalen und zu Hauf verkaufen. Man macht sich also die Mühe, Dinge vom Strand zu lesen. Vielleicht kommt ja eines Tages jemand auf die Idee, die bunten Kugeln mit dem typischen Islandpullovermuster zu umstricken – als Souvenir. Das ganze noch mit einem schicken „Umweltschutz“- Slogan versehen, etwas Publicity in der renommierten Tourismuszeitung Icelandic Times, der Ökotourismus wäre wieder ein Schritt weiter und Islands Strände ein Stück weit sauberer.

*Das Sammeln und Ausführen von Steinen ist übrigens offiziell verboten!

THEMA: Das Réttir – Schafabtrieb in Island

 

Im Frühjahr, wenn der Schnee zu tauen beginnt, die Lämmer geboren sind und jedes seine Ohrmarke bekommen hat, entlassen die Schafbauern ihre Herden in die Freiheit. Dort verbringen sie die Sommermonate, grasen alles ab, was ihnen in den Weg gerät und verteilen sich immer weiter über das Hochland. Viele Zäune haben einen recht desolaten Zustand, aber wirklich wichtig sind auch nur die Grenzen zwischen den einzelnen Weiderecht-Gebieten. Mehrere Familien teilen sich das verbriefte Weiderecht auf ein solches Gebiet, in dem sich die Schafe aller dieser Halter vermischen. Wir fragen uns oft, wie die Tiere aus diesem Niemandsland wieder „nach Hause“ geholt werden.

Im September ist es dann soweit: Der Höhepunkt für viele Isländer – das Réttir! Eine Hundertschaft von gut ausgerüsteten Reitern (in Goretex und Gummianzug genauso wie in Islandpulli und Jeans) stößt zusammen mit Pickups und Traktoren ins Hochland vor. Die lange Karawane ist oft mehrere Tage unterwegs, um bis in die hinterste Ecke des Weidegebietes zu gelangen. Und dann geht die eigentliche Arbeit für Pferde, Reiter und Hunde los. Jeder Berghang wird abgeritten und ein Schaf nach dem anderen ins Tal gescheucht, wo der nicht berittene Teil der Expedition die erste Koppel abgesteckt hat. Und so geht das tagelang weiter. Der längste Ritt, haben wir von einer Isländerin erfahren, dauert neun Tage. Ein Tal nach dem anderen wird auf diese Weise abgeritten, in kniffeligen Situationen auch zu Fuß, denn jedes Schaf zählt!

Wir haben Gelegenheit, die letzten Tage mitzuerleben, in denen zwei Gruppen ihre jeweils mehr als 2.000 „wollenen“ Vierbeiner in Richtung des Sortierpferches treiben. In Island werden dafür keine Straßen gesperrt, die Autos müssen eben stehenbleiben, bis alle vorbei sind. Das kann schon mal ein bis zwei Stunden dauern. Das Nadelöhr sind dabei die rar gesähten Brücken des Landes: Zuerst müssen sich einige Reiter von der Herde lösen und auf der anderen Seite der Brücke Stellung beziehen. Die gar nicht so dummen Schafe sehen jetzt die Gelegenheit gekommen, sich ihrer Freiheitsberaubung durch spontanes Lossprinten zu entziehen, was die Sache für die übrigen Reiter nicht einfacher macht. Kaum haben die ersten Tiere die Engstelle überquert, strömen sie sofort wieder auseinander – eine echte Herausforderung für die zum Teil freiwilligen Helfer, die aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt wurden. In ein paar Tagen stößt dann erneut ein Trupp ins Hochland um die Prozedur zu wiederholen, denn beim ersten Durchgang werden nicht alle Schafe gefunden.

Und dann kommt der große Tag, auf den sich alle in Island freuen. Zu diesem Termin nehmen sich die Arbeiter Urlaub, kommen die erwachsenen Kinder aus den Städten und ist Schule Nebensache. Wenn alle Schafe am Rett angekommen sind, geht das Volksfest los. Immer um die 300 Tiere werden in den Innenkreis des Retts hineingedrängt, wo schon mindestens genauso viele Menschen rumstehen. Viele sind aber auch einfach nur zum Erzählen gekommen, alte Bekannte wiedertreffen, stolz die neugeborenen Kinder oder Babybäuche zeigen und vor allem auf das Geschaffte anstoßen. Die jungen Mädchen haben sich geschminkt und die Haare zu Zöpfen geflochten, was in Kombination mit der neonfarbenen Funktionskleidung manchmal recht amüsant aussieht. Die jungen Männer schauen mit vom Alkohol glasigen Augen mal nach Schafen und mal nach den Mädels. Und so wird nebenher ein Schaf nach dem anderen gepackt, zwischen die Beine geklemmt und nach einem Blick auf die Ohrmarke entweder wieder losgelassen oder zum Tor der eigenen Familie geschleift, wo es mit einem kräftigen Tritt in den Hintern in das Separé gekickt wird. Zur Lautstärke brauche ich wohl keine näheren Angaben zu machen. Man stelle sich einfach die vielen nach ihrer Mutter blökenden groß und kräftig gewordenen Lämmer vor und dazu eine Rummelatmosphäre, in der Hunderte zeitgleich zum selben Fahrgeschäft wollen, gemischt mit kehligem die Schafe in das Rett treibendem Geschrei, jeder Menge Flüchen und begeisterten Ausrufen, wenn wieder eins gefunden wurde.

Und nachdem alle Schafe aufgeteilt sind und die Kleinbauern ihre Schafe verladen haben, geht es für die Großbauern in die nächste Runde. Denn die müssen jetzt ihre Tausend Schafe wiederum mithilfe vieler Reiter bis in ihre Ställe treiben. Aber dort weilen sie nur kurz, denn die großen Viehtransporte in die Schlachthöfe folgen zeitnah.

Alle restlichen Schafe harren in ihren Ställen bis zum nächsten April oder Mai aus, wenn die Schneeschmelze eingesetzt hat und es gilt, die saftigen Hochlandwiesen aufs Neue niederzumähen. Denn einer Sache sind wir uns inzwischen sicher: Islands Vegetation wäre ohne Schafe wahrscheinlich um einiges reicher.

THEMA: Tektonik Islands und ihre Auswirkungen

 

 

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt, zählt erdgeschichtlich aber zu den ‚Kleinkindern‘ – sie ist erst 15 – 20 Millionen Jahre alt (die ältesten Teile der Erde sind ca. 4 Mrd. Jahre alt). Während sich bei aufeinander zu driftenden Platten (z.B. die Pazifische unter die Eurasische) eine Platte unter die andere schiebt, und das untere Gestein im Erdkern wieder aufgeschmolzen wird, findet hier die Gegenbewegung statt. Die nach oben drückende Magma findet ihren Ausgang in der Riftzone sich voneinander wegbewegender Platten. Island ist durch das Auseinanderdriften der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatte entstanden. An den Plattengrenzen strömt Magma aus dem Erdinneren nach oben und bildete so den Mittelatlantischen Rücken, ein Gebirge unter Wasser. In Verbindung mit einer sogenannten Plume, einem extrem heißen zylindrischen Magmakanal, hat über Jahrmillionen hinweg ein so starker Vulkanismus stattgefunden, dass die Gebirgsbildung bis an die Wasseroberfläche gereicht hat. Die Platten bewegen sich heute noch durchschnittlich zwei Zentimeter im Jahr auseinander, was zu einer ständigen Gesteinsbewegung und –neubildung führt. Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, dehnt sich davon die Erde bei Þingvellir um immerhin acht Millimeter im Jahr. Die aktuelle Größe der Insel ist also lediglich ein Zwischenstand.

Entlang der Plattengrenze, die mitten durch die Insel verläuft, gibt es regelmäßige Erdbeben. Alle paar Minuten wird in Island eins registriert. Meistens wird jedoch die grenzwertige Stärke von 3,0 nicht erreicht, wodurch man von dem Ereignis überhaupt nichts mitbekommt. Viel größer als vor bebender Erde ist die Angst der Isländer vor Gletscherläufen. Da einige der aktiven Vulkane unter der dicken Eisschicht der Gletscher verborgen liegen, kommt es bei einem Ausbruch zum Schmelzen des Gletschereises von unten her. Sind die natürlichen Seen unter dem Eis vollgelaufen, kommt es zur sogenannten Katastrophalen Flut. Zusammen mit großen Geröll- und Schlammmassen schießt das Schmelzwasser unter der Eiskappe hervor und vernichtet auf seinem Weg ins Tal oft Höfe und Straßen. Dort, wo unter den Gletschern aktive Geothermalfelder liegen, passiert das alle drei bis fünf Jahre in absehbarer Größe. Doch bei einem Vulkanausbruch kann es zu einer Katastrophe kommen, wie 1996 durch den Ausbruch des Grimsvötn unter dem größten Gletscher der Insel Vatnajökull.

Die Entfernung zur flüssigen Magma aus dem Erdinneren ist unter Island also geringer als beispielsweise unter Deutschland. In Erscheinung tritt das nicht nur durch Vulkanausbrüche und Erdbeben. Versickerndes Regenwasser trifft auf heiße Gesteinsschichten, wird dadurch zum Teil bis über den Siedepunkt hinaus erhitzt. Der entstandene Wasserdampf sucht sich über Ritzen und Kanäle mit enorm hohem Druck wieder einen Ausgang nach oben – z.B. in Form eines Geysirs oder Solfatars. Diese Naturerscheinung verhilft Island übrigens zur völligen Unabhängigkeit von fossilen Heizstoffen. 73% des Energiebedarfs der Insulaner wird durch Wasserkraft gedeckt, die übrigen 27% kommen aus Geothermalkraftwerken. Doch die vorhandene geothermische Energie reicht noch für viel viel mehr. So wird ein Großteil der Haushalte mit Fernwärme versorgt, sind viele Kilometer Straße durch intelligent verlegte Fernwärmeleitungen im Winter eisfrei und gibt es auf Island dank einer großen Zahl von Gewächshäusern das nördlichste Anbaugebiet von Bananen auf der Welt.

Und an den Stellen, an denen das Wasser mit einer Temperatur von ca. 40°C  ans Tageslicht gelangt, kommen wir dann in den Genuss einer natürlichen Badewanne 😉

THEMA: Superjeeps

 

Ursprünglich wurden diese monströsen Gefährte für den isländischen Rettungsdienst gebaut um Eingeschneite oder Verunglückte direkt und schnell erreichen zu können. Doch auch immer mehr Privatleute und Touristikdienstleister besitzen inzwischen ähnlich schneetaugliche Fahrzeugumbauten. Die isländische Firma Arctic Truck rüstet die Geländewagen um – Karosserie anheben, Kotflügel verbreitern, Getriebe tauschen, Reifen bis zu 44 Zoll montieren und die dazu gehörige Luftdruckregelanlage einbauen, …

Über Schnee und Gletschereis fährt man mit reduziertem Reifenluftdruck von teilweise nur 0,1 bar. Gleðigúmmi sagen die Isländer zu den platten Reifen. Das heißt sinngemäß übersetzt „Freudengummi“, nebenbei bemerkt auch Kondome werden hier so bezeichnet. 😉

Im Sommer ist das Fahren abseits der Hochlandpisten per Gesetz verboten. Im Winter jedoch darf man auf der dicken Schneedecke fahren, wo man will, es bedarf „nur“ der richten Technik und – noch viel wichtiger –  fahrerischen Könnens.

THEMA: Island eine Fussballnation

 

Schaut man in die Statistik, belegt die isländische Fußballnationalmannschaft der Herren den Rang 52 der FIFA Rangliste. Legendär und aus deutscher Sicht in die Geschichte eingegangen ist das 0:0 Ergebnis gegen Deutschland am 06. September 2003. Der damalige Teamchef, (es gibt nur ein) Rudi Völler verlor während des anschließenden ARD Interview die Beherrschung und beleidigte die anwesenden Kommentatoren. Waldemar Hartmann kam so zu seinem anschließenden Werbevertrag als „Weißbier Waldi“, der ein oder andere von euch wird sich sicherlich noch daran erinnern.

Die isländischen Herren trafen bei der Qualifikation zur diesjährigen WM auf  Albanien, Norwegen, Schweiz, Slowenien und Zypern. In dieser Gruppe erreichte Island den zweiten Platz, verlor in den anschließenden Play- Offs allerdings (0:0) 0:2 gegen Kroatien.

Die Frauen belegen derzeit den Rang 16 der FIFA Rangliste. Sie konnten sich zuletzt für die Europameisterschaften 2009 und 2013 qualifizieren und schafften es letztes Jahr sogar bis ins Viertelfinale.

Nun weg vom Zahlengeplänkel, unser erster Eindruck ist: Island ist eine Fußball(verrückte)-Nation. Die Sportplätze sind täglich gut belegt. Mädchen und Jungen, Frauen und Männer aller Altersklassen trainieren gleichermaßen ausdauernd und viel. Der Schulsport scheint fast nur aus Fußball zu bestehen. Die Spiele der heimischen Fußballmannschaften egal ob Männlein oder Weiblein sind gut besucht und avancieren zu 90+ minütigen Familienfesten. Statt Sitzplatztribünen gibt es in den Kleinstädten Liegewiesen für die Picknickdecke bzw. Stellplätze für die Autos. In dieser Autokino-Atmosphäre wird nicht der Sitz-, sondern der Parkplatz bezahlt. Bei schlechtem Wetter bleibt die Familie im Auto sitzen und fällt ein Tor der eigenen Mannschaft, wird lautstark gehupt. In der Halbzeitpause wird das Spielfeld von den Kids und ihren junggebliebenen Eltern genutzt, um selbst ein wenig zu kicken.

Wir konnten unter anderen am 15. Juni 2014 ein Spiel der Frauen Húsavik gegen Reykjavik live erleben. Reykjavik gewann 4:1. Ich denke, spätestens in Reykjavik zieht es uns erneut zu einen Knattspyrna (isl. Fußball) – Spiel der Frauen. Wer kann den wehenden langen blonden Haaren schon widerstehen?