Abreise

 

Letzter Tag auf Island: Die Fähre legt um 20 Uhr ab, wir können also ausschlafen und packen erst nach dem Mittag unsere Bordtasche. Ich nutze die Zeit und schaue mir unseren Oldtimer nochmal von unten an, kontrolliere den Ölstand und schmiere die Antriebswellen ab, auf dem Festland erwarten uns 1.000km Heimweg. Márika verstaut derweil im LKW alles „hochsee-“ sicher. So stürmisch, wie die letzten Tage waren, rechnen wir mit Seegang. Der Seegang ist auch der Hauptgrund, warum wir gar nicht scharf auf die wiederholte Wikingerkreuzfahrt sind. Wir fahren erst kurz vor Ende des Check-In in Richtung Hafen und werden quasi bis aufs Mitteldeck durchgewunken. Obwohl das komplette Unterdeck leer ist, darf ich wieder dicht an dicht neben den anderen Islandreisenden parken. Aussteigen geht nur auf der Beifahrerseite und für Zurrketten ist kein Platz gelassen. Die Mannschaft rechnet also nicht mit Seegang – auch gut! (Getreu der alten Spediteurweisheit: „Das ist so schwer, das rutscht nicht“) Die Fähre legt pünktlich ab und wir schauen ein letztes Mal zurück nach Seyðisfjörður, auf die Mole, an der wir gestern noch drei leckere Makrelen für unser Abendessen gefangen hatten. Unsere Wahl an diesem Abend – Pizza Peperoni – ist die falsche. Kaum sind wir auf dem Atlantik, geht die Schaukelei los und die fettige Pizza trägt ihren Teil zur Übelkeit bei.

Wir sind froh, am nächsten Morgen auf den Färöer-Inseln für ein paar Stunden an Land gehen zu können, denn den Folgetag verbringen wir komplett auf See. Die Norröna wird inzwischen nun doch noch mit Sattelaufliegern voll beladen, bekommt so deutlich mehr Tiefgang und liegt ruhiger im Wasser.  Wir können jetzt zumindest lesen, ohne dass uns dabei schlecht wird.

Nach drei Nächten kommen wir wieder in Hirtshals an. Alles rennt zum Autodeck und runter von der Fähre. Wir sind noch viel zu benommen von den Reisetabletten und haben zudem schlecht geschlafen. Selbst, wenn wir ebenfalls losstürmen und heute noch durch Dänemark „heizen“ würden, morgen ist Sonntag und für unsere Emma in Deutschland Fahrverbot – also kein Grund zur Hektik. Márika möchte den LKW von der Fähre fahren, ich lasse ihr den Spaß und die erstaunten Blicke der Mitreisenden. Wir winken noch ein paar Bekannten, die an uns vorbeifahren, und biegen dann direkt vom Hafen zum Ozeaneum ab – einem riesigen Meeresaquarium. Den Sonntag verbringen wir in Dänemark und schauen uns den Tropischen Zoo in Randers an. Die drei Regenwaldhallen mit Flora und Fauna aus Asien, Afrika und Südamerika sind genau unser Geschmack. Dank tropischer Temperaturen lassen sie uns vollkommen aufgewärmt in Urlaubserinnerungen schwelgen. Deutschland sieht uns erst am Montag zum Berufsverkehr wieder. Für unsere Heimroute wählen wir neben vielen Kilometern Autobahn auch ein schönes kurviges Stück Landstraße durch den herbstlichen Harz.  In Sondershausen besuchen wir meine Oma, bevor wir uns im Anschluss auf die letzte Etappe in Richtung Heimat begeben.

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