Reykjavik und die Halbinsel Reykjanes

 

Wir haben uns inzwischen auf den Weg Richtung Landeshauptstadt gemacht, legen aber in Akranes noch einen Zwischenaufenthalt ein. Zum einen zum Schutz, weil  eine sehr stürmische Wetterlage angekündigt ist, und zum anderen, weil wieder einmal Wäschewaschen auf dem Programm steht. Akranes ist eine von Fischindustrie und Zementherstellung geprägte Stadt, wir finden nichts wirklich Sehenswertes vor, außer einer Besteigung des großen Leuchtturms, von dem aus man eine gute Aussicht bis nach Reykjavik hat. Nachdem auch die vierte Waschmaschinenladung getrocknet ist, steht der „Eroberung“ der Hauptstadt nichts mehr im Wege. Wir kommen uns auf den sechsspurigen Highways zwar etwas fehl am Platz vor, aber bis zum einzigen Campingplatz im Stadtgebiet muss es gehen. Dort angekommen holen wir gleich das Quad von der Ladefläche und sind damit in den nächsten Tagen deutlich flinker im Stadtverkehr unterwegs.

Einer unserer ersten Wege führt uns in den Laugavegur, DEM Frauenparadies schlechthin. Unzählige schicke Boutiquen isländischer Designer reihen sich hier aneinander, dazwischen immer wieder Bars, Souvenirshops, Cafés und Restaurants. Nach einem neu erstandenen Paar Schuhen hält das glückliche Strahlen in meinem Gesicht einige Tage an 😉

Die Siedlung in der „rauchenden Bucht“, wie Reykjavik übersetzt heißt, wurde natürlich auch in der Nähe heißer Quellen gegründet. Heute liegt das Tal der Quellen in der Stadtmitte, umgeben von Stadtpark, Freizeitzentrum und Botanischem Garten. Vom heißen Wasser ist hier allerdings nicht mehr viel zu sehen, denn das wird abgepumpt, in großen Reservoirs gespeichert und zur Versorgung der Haushalte verwendet. Das „Perlan“ verbindet einen solchen funktionalen Tankbau mit einer riesigen Spiegelglaskuppel mit Aussichtsplattform und Nobelrestaurant.

In Reykjavik befindet sich der kulturelle Mittelpunkt der Insel. So gibt es seit 2011 das riesige Konzert- und Kongresshaus Harpa direkt am alten Hafen, das nachts ein beeindruckendes Lichtfarbspiel bietet. Die viel fotografierte Hallgrimskirkja, deren Betonkonstruktion Lavabasaltsäulen nachempfunden wurde, ist hingegen Geschmackssache. Wir besuchen das moderne Kunstmuseum und stöbern im Plattenladen des bekannten Reykjaviker Musiklabels „12 Tónar“.

Nach diesen schönen und abwechslungsreichen fünf Tagen in der Hauptstadt zieht es uns weiter. Naja, eigentlich eher Andreas, der fürchtet, ich könnte ihn ein weiteres Mal in die Einkaufszentren schleppen 😉

In den nächsten Tagen fahren wir die Halbinsel Reykjanes ab. Wir gehen über die „Brücke zwischen den Kontinenten“ einmal von Europa nach Amerika und zurück. Das Bauwerk wurde über einen der vielen Risse in der Landschaft gebaut, die die Plattengrenze sichtbar machen.

Ein weiteres Highlight erleben wir an einem der folgenden Tage: Aufgrund des miserablen Wetters besuchen wir den wohl populärsten Badeort der Insel: die „Blaue Lagune“. Dieses stylische Wellnessparadies mit milchig blauem Wasser befindet sich inmitten einer schroffen schwarzen Lavalandschaft. Die Entstehung dieser Lagune mutet etwas bizarr an und würde in Deutschland wahrscheinlich Stirnrunzeln hervorrufen, in Island allerdings gibt es nichts Naheliegenderes: In Sichtweite befindet sich ein Geothermalkraftwerk, das bis zu 240°C heißes Wasser aus seinen Tiefenbohrlöchern fördert. Da in dieser Region das Grundwasser salzhaltig ist, wird es lediglich im Wärmetauscher-Prinzip zur Stromerzeugung genutzt. Anschließend gelangt dieses Wasser quasi als Abwasser in die Lagune. Dass dieses Salzwasser mit einer heilenden Mineralienzusammensetzung aus dem Boden kommt, haben die Menschen dort bereits Anfang der 80er Jahre herausgefunden. In den 90er Jahren wurde dann die erste Badeanstalt gebaut und 2005 eine Klinik eröffnet, die sich auf die Behandlung von Hautkrankheiten spezialisiert hat. Für einen gepfefferten Eintrittspreis kann man sich den ganzen Tag dort aufhalten und sich beliebig oft gegenseitig mit Silizium-Schlamm einschmieren 🙂 Uns hat es auf jeden Fall gefallen!

Der nächste Ort, den wir auf der Halbinsel besuchen, ist Grindavik. Hier halten wir uns ein paar Tage auf, gehen recht erfolgreich angeln und besuchen die interessante Ausstellung zur Tektonik und Erd-Energienutzung Islands. Mit diesem Wissen nehmen wir an einer Führung durch das derzeit modernste Geothermalkraftwerk der Insel teil, dem 300-MegaWatt-Werk Hellisheiðavirkjun. Neben der modernen Technik u.a. aus Deutschland und Japan überrascht uns vor allem das Nutzungskonzept des isländischen Energie-Know-hows: Die Universität Reykjavik hat zusammen mit den Stadtwerken ein Aufbaustudium für Ingenieure und Wissenschaftler aus aller Welt entwickelt. Dieses Programm bietet Ländern mit Zugang zu Erdwärme, wie z.B. Costa Rica, El Salvador, Kenia, Dschibuti, Nicaragua und Indonesien die Weiterbildung in nachhaltiger Energiewirtschaft an. Denn bis jetzt werden lediglich 2% des weltweiten Geothermiepotentials genutzt. Als wir Costa Rica lesen, erinnern wir uns an die heißen Quellen auf unserer Reise von 2011. An derart tolle berufliche Möglichkeiten haben wir bei unserer Studiengangwahl nicht gedacht, schade eigentlich 😉

Ein Gedanke zu „Reykjavik und die Halbinsel Reykjanes“

  1. Hallo Ihr Beiden,
    Nicht immer nur lesen, auch wieder einmal melden.
    In diesem Sinne ganz liebe Grüße von uns. Eurer Reisetagebuch ist prima- sehr informativ!! Ein echt guter Reiseführer!!
    Ich habe so VIEL Interesantes über Island erfahren. Echt toll !!
    Wir wünschen Euch noch ein paar schöne Tage und hoffe, wir sehen uns bald wieder einmal persönlich. Liebe Grüße aus dem Vogtländischem Oberland!! Eure 3 aus Pansdorf

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