Der Vulkan brodelt vor sich hin

Graph showing earthquake timing and magnitude

 

Die Meldungen der letzen zwei Wochen können wir für euch wie folgt zusammenfassen: Der erwartete Gletscherlauf ist noch ausgeblieben, die Wissenschaftler sind sich allerdings einig, dass es eine Eruption des Barðarbunga unter dem Eis gegeben hat. Nach aktuellen GPS-Messungen hat sich die Gletscherkappe über der Caldera um mittlerweile fast 25m abgesenkt. Diese Menge an geschmolzenem Eis entspricht in etwa der bis dato ausgetretenen Lava der vier neuen Krater im Holuhraun-Lavafeld. Es sind bereits 38km² Fläche mit neuer Lava bedeckt. Inzwischen spuckt zwar nur noch ein Krater, dafür aber mit bis zu 120m hohen Lavafontainen. Ein akutes Problem besteht derzeit in den schwefeldioxidhaltigen Gasen, die ebenfalls austreten. Je nach Windrichtung gibt es ständig neue Warnungen an die Bevölkerung, Fenster und Türen möglichst geschlossen zu halten. Von Bekannten haben wir erfahren, dass in einigen Tälern der äußerst unangenehme schwefelige Dunst regelrecht festhing.

Erdbeben gibt es immernoch, allerdings deutlich weniger. Dafür aber durchweg recht starke Beben – bis 5.5 auf der Richter-Skala. Von den Erdbeben merken wir nachwievor nichts, manchmal sieht man am Nachthimmel aber den hellen orangenen Schein der sprühenden Lava. Die Gegend um die Ausbruchstelle ist noch weiträumig gesperrt, wir werden wohl keine Chance mehr haben, in die Nähe zu gelangen, die einzige Möglichkeit wäre ein sündhaft teurer Hubschrauberflug. Nachfrage bestimmt eben das Angebot – und den Preis 😉

Der Süden

 

 

Islands Südküste zeichnet sich durch weite vulkanische Schwemmsandebenen, milchig trübe verzweigte Gletscherflussdeltas, lange schwarze Sandstrände und die Nähe zu den großen Gletschern aus.

Wir tauchen vom Pass Hellisheiði kommend in diese ebene Landschaft ein. Da es schon dunkel ist, als wir die Passhöhe erreichen, blicken wir auf die strahlend hell erleuchtete Gewächshausansammlung der „Gartenstadt“ Hveragerði. Die Ortschaft ist der Gemüse- und Blumenlieferant Nummer eins in Island. Hier liegt ein weiteres Hochtemperaturgebiet, welches bereits seit 1929 Experimente mit geothermischen geheizten Gewächshäusern möglich machte. Die hier ansässige Fachhochschule für Gartenbau beschäftigt sich unter anderem intensiv mit der optimalen Beleuchtung der Pflanzen während des dunklen Winterhalbjahres.

Anfänglich führt uns die Ringstraße durch (für isländische Verhältnisse) dicht besiedeltes Gebiet. Zwischen den vielen Bauernhöfen liegt das Weideland für die meisten Rinder und Pferde, die es auf der Insel gibt. Aufgrund der wenigen Brücken über die großen Flüsse gibt es leider auch nur wenige Alternativstraßen. Nach einem Abstecher ins Landesinnere zu den sehenswerten Wasserfällen Haifoss und Hjalparfoss geht es wieder zurück auf die Ringstraße. Wir fahren bei schönem Wetter an den breiten Lavastrand Landeyjasandur, wo wir bei Blick auf die Westmänner-Inseln ausgedehnte Spaziergänge machen und unsere ersten Nordlichter in die Kamera gebannt bekommen. Wir haben zwar mittlerweile sicher über 1.000 große und kleine Wasserfälle gesehen, der Seljalandsfoss begeistert uns dennoch. Gegen Abend, wenn die Touristenmengen von der Bildfläche verschwunden sind, herrscht dort die schönste (Fotografier-)Stimmung. Man kann hinter dem Wasserfall entlang laufen und wunderschöne Bilder schießen, wenn man a) sich und seine Kamera wasserfest eingepackt hat und b) das unfassbare Glück von Sonnenschein hat. Wir hatten beides und stehen danach trotzdem tropfnass aber zufrieden wieder am LKW.

Den nächsten längeren Aufenthalt legen wir in Vik ein. Das kleine Dorf liegt direkt an einem breiten Strand und hat in seiner Umgebung eine interessante Basaltformation und markante Felszinnen im Meer zu bieten, welche nach dem überlieferten Glauben der Isländer versteinerte Trolle sein sollen. Weite Teile der Strände sind mit Gräsern und Lupinen besäht worden um der Erosion Einhalt zu bieten.

An den Gletscherzungen Solheimajökull und Svinafellsjökull bekommen wir das Eis aus nächster Nähe zu sehen. So nah wie an der Südküste sind wir im Hochland selten an die Gletscher herangekommen, mangels befestigter Pisten im Treibsand der Moränengebiete. Nachdem wir die beiden kilometerweiten Sandebenen Myrdalssandur und Skeiðararsandur durchquert haben, durch die sich die Gletscherabläufe wie Adern ziehen, erreichen wir den Jökulsarlon. Diese beeindruckende Gletscherlagune war schon Drehort für den 007-Film „Die Another Day“ und „Lara Croft – Tomb Raider“. Im Gegensatz zu den vielen anderen Seen dieser Art, treffen wir hier auf tief blaues Wasser, in dem die riesigen weiß, blau, schwarzen Eisberge treiben, die der Gletscher gekalbt hat. Eine wirklich grandiose Stimmung erleben wir hier am nächsten Morgen, als wir im Sonnenaufgang die Eisbrocken fotografieren, die es an den schwarzen Strand gespült hat, und im Hintergrund Islands höchster Berg am klaren Himmel aufragt – der mit einer Eiskappe bedeckte 2.110m hohe Hvannadalshnukur. Wir verbringen hier zwei Tage, lauschen dem ständigen Knacken des Eises, beobachten die Robben und Raubmöwen auf ihrer Nahrungssuche und schauen den Amphibien-Fahrzeugen zu, die zwischen den Eisbergen umherfahren. Dann staunen wir nicht schlecht, als wir sehen, wie die Flut die Eisbrocken vom Strand wieder zurück in die Lagune treibt und der Strand plötzlich leer ist. Kurzum: Wir sind fasziniert!

So langsam neigt sich unsere Auszeit in Island dem Ende entgegen. In den verbleibenden knapp drei Wochen werden wir den Kreis um die Insel schließen und uns den fehlenden Teil der Ostfjorde noch anschauen. Bevor dann am 8. Oktober die Fähre wieder gen europäisches Festland ablegt, werden wir euch selbstverständlich auch noch vom Rest unserer Reise berichten. Bis dahin!

Douglas DC3

 

Auf einer so langen Reise trifft man einige vom selben Schlag, „Profiweltenbummler“ bis hin zu Anfängern wie uns. Jeder erzählt vom Erlebten und wir „verfolgen“ uns gegenseitig auf unseren Internetseiten. So ist folgendes Fundstück auch nicht von uns erstöbert, sondern quasi von der Pistenkuh empfohlen.

Eine Douglas DC3 der US Army, in Deutschland besser bekannt als Rosinenbomber, am 21. November 1973 am Strand notgelandet.

THEMA: Islands Strandgut

 

Islands Küstenlinie misst 4970km, neben den steilen Vogelfelsen auch zahlreiche Strände, meist schwarz wie Lavastein und vereinzelt aus bunten Muschelschalen, wie am Rauðasandur. Jedes Stück Land gehört zu einem Hof und so liegt es nicht fern, dass Schafe, Pferde und Kühe bis auf den Strand weiden. Die Tourismusindustrie wirbt mit tollen Strandbildern und wir sehen sogar Surfer in der Brandung. Doch da gibt es noch einen Dritten im Bunde – die Fischer Islands, die sich vor der Küste hart ihr täglich Brot verdienen. Die raue und stürmische See verlangt ihnen einiges ab und nimmt ihnen alles, was sie nicht fest genug gezurrt haben. Kanister, Seile, Netzte, Bojen, Schuhe, Fässer, etc. Alles landet früher oder später wieder am Strand und versandet teilweise zwischen dem Treibholz aus Sibirien. Der „Plastikmüll“ kommt sicher nicht aus Sibirien, denn er trägt europäische Aufschriften. Wenige Landbesitzer pflegen ihre Strände, beräumen das Treibgut und recyceln es z.B. als Vogelscheuchen.

Unansehnliche Fotomotive bieten sich uns deshalb viele. Wir verschonen euch aber damit und präsentieren euch lieber weiter die schönen Seiten Islands. Nur ein Bild soll euch zeigen, wie viele Bojen wir auf ca. einem Quadratkilometer Strand gefunden haben. Es entstand direkt neben dem Fährhafen zu den Westmännerinseln – 34 bunte Kugeln!

Island hat viele kreative Köpfe, die sogar runde Strandkieselsteine* wie kleine Männlein bemalen und zu Hauf verkaufen. Man macht sich also die Mühe, Dinge vom Strand zu lesen. Vielleicht kommt ja eines Tages jemand auf die Idee, die bunten Kugeln mit dem typischen Islandpullovermuster zu umstricken – als Souvenir. Das ganze noch mit einem schicken „Umweltschutz“- Slogan versehen, etwas Publicity in der renommierten Tourismuszeitung Icelandic Times, der Ökotourismus wäre wieder ein Schritt weiter und Islands Strände ein Stück weit sauberer.

*Das Sammeln und Ausführen von Steinen ist übrigens offiziell verboten!

THEMA: Das Réttir – Schafabtrieb in Island

 

Im Frühjahr, wenn der Schnee zu tauen beginnt, die Lämmer geboren sind und jedes seine Ohrmarke bekommen hat, entlassen die Schafbauern ihre Herden in die Freiheit. Dort verbringen sie die Sommermonate, grasen alles ab, was ihnen in den Weg gerät und verteilen sich immer weiter über das Hochland. Viele Zäune haben einen recht desolaten Zustand, aber wirklich wichtig sind auch nur die Grenzen zwischen den einzelnen Weiderecht-Gebieten. Mehrere Familien teilen sich das verbriefte Weiderecht auf ein solches Gebiet, in dem sich die Schafe aller dieser Halter vermischen. Wir fragen uns oft, wie die Tiere aus diesem Niemandsland wieder „nach Hause“ geholt werden.

Im September ist es dann soweit: Der Höhepunkt für viele Isländer – das Réttir! Eine Hundertschaft von gut ausgerüsteten Reitern (in Goretex und Gummianzug genauso wie in Islandpulli und Jeans) stößt zusammen mit Pickups und Traktoren ins Hochland vor. Die lange Karawane ist oft mehrere Tage unterwegs, um bis in die hinterste Ecke des Weidegebietes zu gelangen. Und dann geht die eigentliche Arbeit für Pferde, Reiter und Hunde los. Jeder Berghang wird abgeritten und ein Schaf nach dem anderen ins Tal gescheucht, wo der nicht berittene Teil der Expedition die erste Koppel abgesteckt hat. Und so geht das tagelang weiter. Der längste Ritt, haben wir von einer Isländerin erfahren, dauert neun Tage. Ein Tal nach dem anderen wird auf diese Weise abgeritten, in kniffeligen Situationen auch zu Fuß, denn jedes Schaf zählt!

Wir haben Gelegenheit, die letzten Tage mitzuerleben, in denen zwei Gruppen ihre jeweils mehr als 2.000 „wollenen“ Vierbeiner in Richtung des Sortierpferches treiben. In Island werden dafür keine Straßen gesperrt, die Autos müssen eben stehenbleiben, bis alle vorbei sind. Das kann schon mal ein bis zwei Stunden dauern. Das Nadelöhr sind dabei die rar gesähten Brücken des Landes: Zuerst müssen sich einige Reiter von der Herde lösen und auf der anderen Seite der Brücke Stellung beziehen. Die gar nicht so dummen Schafe sehen jetzt die Gelegenheit gekommen, sich ihrer Freiheitsberaubung durch spontanes Lossprinten zu entziehen, was die Sache für die übrigen Reiter nicht einfacher macht. Kaum haben die ersten Tiere die Engstelle überquert, strömen sie sofort wieder auseinander – eine echte Herausforderung für die zum Teil freiwilligen Helfer, die aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt wurden. In ein paar Tagen stößt dann erneut ein Trupp ins Hochland um die Prozedur zu wiederholen, denn beim ersten Durchgang werden nicht alle Schafe gefunden.

Und dann kommt der große Tag, auf den sich alle in Island freuen. Zu diesem Termin nehmen sich die Arbeiter Urlaub, kommen die erwachsenen Kinder aus den Städten und ist Schule Nebensache. Wenn alle Schafe am Rett angekommen sind, geht das Volksfest los. Immer um die 300 Tiere werden in den Innenkreis des Retts hineingedrängt, wo schon mindestens genauso viele Menschen rumstehen. Viele sind aber auch einfach nur zum Erzählen gekommen, alte Bekannte wiedertreffen, stolz die neugeborenen Kinder oder Babybäuche zeigen und vor allem auf das Geschaffte anstoßen. Die jungen Mädchen haben sich geschminkt und die Haare zu Zöpfen geflochten, was in Kombination mit der neonfarbenen Funktionskleidung manchmal recht amüsant aussieht. Die jungen Männer schauen mit vom Alkohol glasigen Augen mal nach Schafen und mal nach den Mädels. Und so wird nebenher ein Schaf nach dem anderen gepackt, zwischen die Beine geklemmt und nach einem Blick auf die Ohrmarke entweder wieder losgelassen oder zum Tor der eigenen Familie geschleift, wo es mit einem kräftigen Tritt in den Hintern in das Separé gekickt wird. Zur Lautstärke brauche ich wohl keine näheren Angaben zu machen. Man stelle sich einfach die vielen nach ihrer Mutter blökenden groß und kräftig gewordenen Lämmer vor und dazu eine Rummelatmosphäre, in der Hunderte zeitgleich zum selben Fahrgeschäft wollen, gemischt mit kehligem die Schafe in das Rett treibendem Geschrei, jeder Menge Flüchen und begeisterten Ausrufen, wenn wieder eins gefunden wurde.

Und nachdem alle Schafe aufgeteilt sind und die Kleinbauern ihre Schafe verladen haben, geht es für die Großbauern in die nächste Runde. Denn die müssen jetzt ihre Tausend Schafe wiederum mithilfe vieler Reiter bis in ihre Ställe treiben. Aber dort weilen sie nur kurz, denn die großen Viehtransporte in die Schlachthöfe folgen zeitnah.

Alle restlichen Schafe harren in ihren Ställen bis zum nächsten April oder Mai aus, wenn die Schneeschmelze eingesetzt hat und es gilt, die saftigen Hochlandwiesen aufs Neue niederzumähen. Denn einer Sache sind wir uns inzwischen sicher: Islands Vegetation wäre ohne Schafe wahrscheinlich um einiges reicher.

Reykjavik und die Halbinsel Reykjanes

 

Wir haben uns inzwischen auf den Weg Richtung Landeshauptstadt gemacht, legen aber in Akranes noch einen Zwischenaufenthalt ein. Zum einen zum Schutz, weil  eine sehr stürmische Wetterlage angekündigt ist, und zum anderen, weil wieder einmal Wäschewaschen auf dem Programm steht. Akranes ist eine von Fischindustrie und Zementherstellung geprägte Stadt, wir finden nichts wirklich Sehenswertes vor, außer einer Besteigung des großen Leuchtturms, von dem aus man eine gute Aussicht bis nach Reykjavik hat. Nachdem auch die vierte Waschmaschinenladung getrocknet ist, steht der „Eroberung“ der Hauptstadt nichts mehr im Wege. Wir kommen uns auf den sechsspurigen Highways zwar etwas fehl am Platz vor, aber bis zum einzigen Campingplatz im Stadtgebiet muss es gehen. Dort angekommen holen wir gleich das Quad von der Ladefläche und sind damit in den nächsten Tagen deutlich flinker im Stadtverkehr unterwegs.

Einer unserer ersten Wege führt uns in den Laugavegur, DEM Frauenparadies schlechthin. Unzählige schicke Boutiquen isländischer Designer reihen sich hier aneinander, dazwischen immer wieder Bars, Souvenirshops, Cafés und Restaurants. Nach einem neu erstandenen Paar Schuhen hält das glückliche Strahlen in meinem Gesicht einige Tage an 😉

Die Siedlung in der „rauchenden Bucht“, wie Reykjavik übersetzt heißt, wurde natürlich auch in der Nähe heißer Quellen gegründet. Heute liegt das Tal der Quellen in der Stadtmitte, umgeben von Stadtpark, Freizeitzentrum und Botanischem Garten. Vom heißen Wasser ist hier allerdings nicht mehr viel zu sehen, denn das wird abgepumpt, in großen Reservoirs gespeichert und zur Versorgung der Haushalte verwendet. Das „Perlan“ verbindet einen solchen funktionalen Tankbau mit einer riesigen Spiegelglaskuppel mit Aussichtsplattform und Nobelrestaurant.

In Reykjavik befindet sich der kulturelle Mittelpunkt der Insel. So gibt es seit 2011 das riesige Konzert- und Kongresshaus Harpa direkt am alten Hafen, das nachts ein beeindruckendes Lichtfarbspiel bietet. Die viel fotografierte Hallgrimskirkja, deren Betonkonstruktion Lavabasaltsäulen nachempfunden wurde, ist hingegen Geschmackssache. Wir besuchen das moderne Kunstmuseum und stöbern im Plattenladen des bekannten Reykjaviker Musiklabels „12 Tónar“.

Nach diesen schönen und abwechslungsreichen fünf Tagen in der Hauptstadt zieht es uns weiter. Naja, eigentlich eher Andreas, der fürchtet, ich könnte ihn ein weiteres Mal in die Einkaufszentren schleppen 😉

In den nächsten Tagen fahren wir die Halbinsel Reykjanes ab. Wir gehen über die „Brücke zwischen den Kontinenten“ einmal von Europa nach Amerika und zurück. Das Bauwerk wurde über einen der vielen Risse in der Landschaft gebaut, die die Plattengrenze sichtbar machen.

Ein weiteres Highlight erleben wir an einem der folgenden Tage: Aufgrund des miserablen Wetters besuchen wir den wohl populärsten Badeort der Insel: die „Blaue Lagune“. Dieses stylische Wellnessparadies mit milchig blauem Wasser befindet sich inmitten einer schroffen schwarzen Lavalandschaft. Die Entstehung dieser Lagune mutet etwas bizarr an und würde in Deutschland wahrscheinlich Stirnrunzeln hervorrufen, in Island allerdings gibt es nichts Naheliegenderes: In Sichtweite befindet sich ein Geothermalkraftwerk, das bis zu 240°C heißes Wasser aus seinen Tiefenbohrlöchern fördert. Da in dieser Region das Grundwasser salzhaltig ist, wird es lediglich im Wärmetauscher-Prinzip zur Stromerzeugung genutzt. Anschließend gelangt dieses Wasser quasi als Abwasser in die Lagune. Dass dieses Salzwasser mit einer heilenden Mineralienzusammensetzung aus dem Boden kommt, haben die Menschen dort bereits Anfang der 80er Jahre herausgefunden. In den 90er Jahren wurde dann die erste Badeanstalt gebaut und 2005 eine Klinik eröffnet, die sich auf die Behandlung von Hautkrankheiten spezialisiert hat. Für einen gepfefferten Eintrittspreis kann man sich den ganzen Tag dort aufhalten und sich beliebig oft gegenseitig mit Silizium-Schlamm einschmieren 🙂 Uns hat es auf jeden Fall gefallen!

Der nächste Ort, den wir auf der Halbinsel besuchen, ist Grindavik. Hier halten wir uns ein paar Tage auf, gehen recht erfolgreich angeln und besuchen die interessante Ausstellung zur Tektonik und Erd-Energienutzung Islands. Mit diesem Wissen nehmen wir an einer Führung durch das derzeit modernste Geothermalkraftwerk der Insel teil, dem 300-MegaWatt-Werk Hellisheiðavirkjun. Neben der modernen Technik u.a. aus Deutschland und Japan überrascht uns vor allem das Nutzungskonzept des isländischen Energie-Know-hows: Die Universität Reykjavik hat zusammen mit den Stadtwerken ein Aufbaustudium für Ingenieure und Wissenschaftler aus aller Welt entwickelt. Dieses Programm bietet Ländern mit Zugang zu Erdwärme, wie z.B. Costa Rica, El Salvador, Kenia, Dschibuti, Nicaragua und Indonesien die Weiterbildung in nachhaltiger Energiewirtschaft an. Denn bis jetzt werden lediglich 2% des weltweiten Geothermiepotentials genutzt. Als wir Costa Rica lesen, erinnern wir uns an die heißen Quellen auf unserer Reise von 2011. An derart tolle berufliche Möglichkeiten haben wir bei unserer Studiengangwahl nicht gedacht, schade eigentlich 😉

Catch of the Day

„Fang des Tages“ steht auf den isländischen Speisekarten oft ganz oben – bei uns im Gourmet-Expeditionsmobil auch 😉 Frisch gefangen!

 

Anbei noch eine kleine Anmerkung für alle, die gern „Seelachs“ essen: Ihr seid ein Opfer der Werbeindustrie! Der sogenannte See“Lachs“ gehört gar nicht zur Familie der Salmoniden (Forellen-, Lachsfische), sondern zu den Dorschen und heißt eigentlich „Köhler“ mit Nachname. Der Name Seelachs ist eine verkaufsfördernde Erfindung der Lebensmittelindustrie. Diese treibt den Spaß sogar so weit, dass sie das weiße Fischfleisch oft rot einfärbt.

Fahrzeugmuseum Skagafjörður

 

Unser Reiseführer weist in der Anfahrtsbeschreibung extra darauf hin, dass diese Ansammlung von Fahrzeugen kein privater Schrottplatz, sondern das Transportmuseum ist. Ganz so schlimm ist es aber nicht. Es erweckt sogar einen ordentlicheren Eindruck als das schon vorgestellte Museum in Ystafell. Dennoch sind die Parallelen klar zu erkennen: Zwei schöne neue Fahrzeughallen mit restaurierten Fahrzeugen, ein paar Hingucker vor dem Gebäude und der für „Entdecker“  eigentlich interessante eingewachsene Fuhrpark hinter dem Gebäude.

Die Halbinsel Snæfellsnes

 

Nach der besonders im Hinblick auf das Wetter wunderschönen Woche in den Westfjorden befahren wir die Halbinsel Snæfellsnes. Unseren ersten Halt legen wir in der schönen Hafenstadt Stykkisholmur ein. Hier gibt es sehr viele restaurierte Häuser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was dem lebhaften Städtchen ein besonderes Flair verschafft. In einem gemütlichen Kaffihus (Kaffeehaus) schauen wir dem bunten Treiben eine Weile zu.

Das Wetter hat sich mittlerweile wieder ganz islandtypisch eine 180°-Drehung erlaubt: Es schüttet wie aus Eimern, der Himmel zeigt sich in einem bedrohlich dunklen Blaugrau – wenn man ihn denn sieht. Denn bei Windstärken bis zu 20m/s in Verbindung mit Starkregen neigt man zu nach unten gerichtetem Blick 😉 Wir bevorzugen den Aufenthalt im Lkw und kommen im weiteren Vorlauf recht zügig bis nach Olafsvik, der nächsten größeren Ortschaft. Michael hat uns seine Angel überlassen, wir können jetzt also zu Zweit auf die „Jagd“  gehen. Das machen wir gleich bei Ankunft im Hafen und fangen zwei stattliche Seelachse.

Wir besuchen den westlichsten Zipfel der Halbinsel – Öndverðarnes, steigen in die Lavahöhle Vatnshellir ab und genießen ein paar schöne regenfreie Stunden am Lava-Strand von Dritvik. Die vergletscherte Spitze des 1.446m hohen Snæfellsjökull haben wir auch am vierten Tag noch nicht zu Gesicht bekommen, denn selbst wenn es an der Küste aufklart, bleibt der Koloss in den Wolken. Der gleichmäßig geformte Gletschervulkan, dessen solitäre Lage ihn schon allein so besonders macht,  diente vielen Literaten als Grundstoff. Den wohl bekanntesten Auftritt verschaffte ihm Jules Verne in seiner „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, die im 200m tiefen (allerdings mit Gletschereis gefüllten) Gipfelkrater ihren Anfang nahm.

Wir machen im weiteren Verlauf noch einen Abstecher an die Rauðamelsölkelda, einer kalten Mineralquelle. Hier sprudelt mitten in der Vulkanlandschaft natürlich mit Kohlensäure versetztes eisenhaltiges Wasser aus der Erde.  Schmeckt nicht schlecht, stilles Wasser bleibt uns aber dennoch das bevorzugte 😉

Ausklingen lassen wir den Besuch der Halbinsel noch mit einer kleinen Wanderung zum 50m hohen Ringwallkrater Eldborg. Ganz nah an der Küste ragt der Krater mit einem Durchmesser von 200m aus dem durch ihn entstandenen Lavafeld heraus – dem Eldborgarhraun. Es hat inzwischen wieder einen Wetterumschwung gegeben, die Sonne scheint und wir sehen zum Abschluss dann doch den Gipfel des Snæfellsjökull nochmal von weitem.