Erste kleine Eruption

 

Die Erdbeben rund um den Vatnajökull halten an, zum Teil mit Magnitude 5 und mehr. Auf der Karte der Isländischen Behörden konnte man zwischenzeitlich anhand der vielen kleinen Erdbebenpunkte sehr gut den Plattenverlauf sehen. Aktuell wandert die Lava unterirdisch nach Norden in Richtung Vulkan Askja, was dort ebenfalls zu erhöhter Erdbebenaktivität und der Warnstufe Gelb führt. Die Magmaspalte soll inzwischen über 40km lang sein. Die Warnstufe Rot am Vulkan Barðarbunga wurde auf Orange zurückgesetzt, obwohl heute Morgen 5km nördlich der Gletscherzunge Dyngjujökull austretende Lava gesichtet wurde. Ob die starke Tourismuslobby für diese Abstufung verantwortlich zeichnet, wird uns wohl keiner beantworten…

Westfjorde

 

Die Ostküste der Westfjorde ist ehrlich gesagt recht unspektakulär. Wir halten uns zwei stürmische Tage im kleinen Fischerort Drangsnes auf, der für seine Bewohner und Gäste drei kleine Hot-Tubs direkt am Meer gebaut hat. Darin lässt es sich auch bei Nieselregen gut aushalten, während Andreas in Sichtweite auf der Hafenmole das Abendessen besorgt – lecker Seelachs.

Dann queren wir auch schon den nördlichsten und unbewohnten „Finger“ der Westfjorde und finden uns im Isafjarðardjup wieder, der großen Bucht, von der aus die vielen einzelnen Fjorde abzweigen. Doch bevor wir uns an das schier endlose Zick-Zack-Fahren machen, erkunden wir den Fuß des Gletschers Drangnajökull, dem einzigen Gletscher im Norden Islands. Im fast vollständig versandeten Fjord Kaldalon ist ausgezeichnet die Endmoräne des Gletschers aus seiner letzten Eiszeit auszumachen. Wir spazieren ein Stück über diese Kieshügel um uns dann doch dem eisigen Gletscherfallwind geschlagen zu geben. Die Belohnung folgt am  Abend mit einem Bad in der versteckten Naturquelle Nauteyrarlaug.

Die sieben Fjorde des Isafjarðardjups sind landschaftlich sehr beeindruckend, wobei man tatsächlich am Vormittag schon sehen kann, wo man am Nachmittag sein wird. Bei Sonnenschein und verhältnismäßig warmen Temperaturen staunen wir über die teilweise mehr als 600m hohen Bergkämme, die sich zwischen den Fjorden auftun. Wir sichten sowohl einen Wal von der Straße aus als auch unzählige Robben, die sich auf den vorgelagerten Felsen tummeln und im Wasser Sprünge vollführen. Wir besuchen das Arctic Fox Center in Suðavik und erreichen dann im siebten Fjord die Hauptstadt der Westfjord-Region – Isafjörður. Hier holen wir meinen Bruder vom Flugplatz ab, der uns jetzt während seiner Sommerferien eine Woche lang begleiten wird. Nach einem kurzen Aufenthalt in Bolungarvik setzen wir unsere Reise Richtung Süden fort. Kurz hinter Isafjörður gibt es ein kleines Meisterwerk der Isländischen Straßenbauer – einen Tunnel mit drei Ausgängen und einer Kreuzung in der Mitte, durch den die Ortschaften dreier Fjorde miteinander verbunden werden. Nicht, dass wir das nicht zu schätzen wüssten, aber wir möchten der schönen Aussicht wegen lieber die alte Passstraße fahren. Dieses Bedürfnis finden Isländer aber wahrscheinlich mehr als kurios, denn dieser Weg wird nicht mehr instand gehalten und ist ab der Passhöhe nach einem Erdrutsch nicht mehr befahrbar. Wir kehren allerdings nicht um, ohne zuvor den Blick auf Isafjörður von ganz oben bewundert zu haben. Die Alternativstrecke, die wir dann wählen, ist zwar auch nicht mehr in Schuss, aber immerhin passierbar.

Weiter geht’s in das Dorf Þingeyri, an dem ein alter Thing-Platz vermutet wird. Die zwei Jungs angeln wieder im Hafen, diesmal eine Makrele und einen Kabeljau, dann setzen wir die Fahrt fort. Im nächsten Fjord, dem Arnarfjörður, wartet der breite Wasserfall Dynjandi auf uns – der Donnernde. Der Fall stürzt fächerförmig etwa 100m in die Tiefe und ist am unteren Ende 60m breit. Im weiteren Verlauf folgen noch fünf kleinere Fälle, die zusammen mit dem Dynjandi ein wirklich beeindruckendes Spektakel bieten. Wir können direkt am Wasserfall übernachten und genießen bei einem schönen Sonnenuntergang den frisch gefangen Fisch vom Grill.

Danach führt die Straße wieder einmal steil bergauf. Wir passieren mit zum Teil wunderbaren Ausblicken auf die Fjordlandschaft unter uns die steinige Hochebene Dynjandisheiði. Diese gehört zum Bergplateau Glama, das bis vor 100 Jahren noch vergletschert war. Wieder auf Meereshöhe angekommen, stürzen wir uns in die warmen Fluten eines Badebeckens bzw. in den angestauten heißen Bach daneben. Das Wasser im Bach ist deutlich heißer als 40°C, was uns ganz schön müde macht 😉

Wir haben jetzt den südlichen „Finger“ erreicht und setzen unseren Weg nach einer Übernachtung in Talknafjörður fort bis an den Rauðasandur, einem endlos langen und breiten rot-orange-gelb leuchtenden Strand im äußersten Südwesten. Gut, endlos ist er nicht, aber mit ca. 10km Länge und einer überraschenden Vielfalt an Muscheln ein echter isländischer Traumstrand. Wir können nah am Strand übernachten und haben am nächsten Morgen bei strahlend blauem Himmel sogar das Glück, eine Robbenkolonie im Sand beobachten zu können. Ein wirklich sehr schönes Fleckchen Erde!

In Brjanslækur verabschieden wir meinen Bruder wieder, der mit der Fähre nach Stykkisholmur ablegt, um von dort zurück zum Flughafen Keflavík zu fahren. Wir lassen es uns nochmal im Naturpool Hellulaug direkt am Meer gut gehen, bevor wir Richtung Reykholar aufbrechen. Auf dem Weg dorthin sichten wir endlich die ersten Seeadler. In einer kleinen interessanten Ausstellung über die majestätischen Vögel im White-tailed Eagle Center lernen wir unter anderem, dass diese sich zu 90% von anderen Seevögeln ernähren und nur 10% von Fisch.

Die Westfjorde finden hier ihren Abschluss, in ein paar Tagen wollen wir uns die Halbinsel Snæfellsnes vornehmen.

Warnstufe Rot

 

 

Wie vielleicht einige von euch bereits mitbekommen haben, gibt es derzeit große seismische Aktivität unter dem größten Gletscher Islands, genauer zwischen den beiden Vulkanen Barðarbunga und Kverkfjöll. Vor einer Woche gab es die ersten Anzeichen einer Magmabewegung, seitdem gibt es Erdbeben im Minutentakt – zwischenzeitlich über 50 Stück pro Stunde. Das stärkste Beben hatte bis jetzt eine Magnitude von 4,7. Es wird eine ca. 25km lange Magmaspalte zwischen den beiden Vulkanen vermutet. Nach GPS-Messungen haben sich die Eurasische und die Nordamerikanische Platte in den letzten sieben Tagen um 20cm auseinander bewegt. (Ihr erinnert euch vielleicht an meinen letzten Beitrag – durchschnittlich sind es 2cm im Jahr!)

Heute wurde die Warnstufe „rot“ ausgerufen, die mit der Evakuierung von ca. 400 Menschen im Gebiet des vermuteten Gletscherlaufs einhergegangen ist. Der Gletscherlauf wird in den nächsten Stunden bzw. Tagen erwartet. Die seit heute bestehende Flugverbotszone über dem Gletscher und südlich davon hat bereits die ersten gecancelten Flüge zur Folge.

Wir sitzen derweil in sicherer Entfernung und holen uns regelmäßig Updates auf der Seite der Isländischen Behörden, die ihre Bevölkerung vorbildlich informiert.

Hochland Teil 2

… oder: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

 

Wir begeben uns wieder einmal mit aufgefüllten Reserven aller Art ins Hochland. Unsere Route haben wir so gelegt, dass wir die bereits befahrenen Strecken nicht noch einmal nutzen. Wir beginnen mit einer super Parallelpiste zur Kjölur-Route, die sich durch einige kniffelige Schräglagen und ausgewaschene Abschnitte auszeichnet. Ich darf mittlerweile auch solche Pisten selbst fahren und kann mir von meinem Beifahrer dann Dinge anhören wie „Mir ist langweilig, ich hab‘ ja nicht mal was zu meckern!“ 😉

Unser erstes Ziel auf dieser Hochlandetappe ist das Kerlingarfjöll, einem Gebirgsmassiv, das in seiner Mitte wieder beide Elemente vereint – Feuer und Eis. Es gibt ein sehr weitläufiges Geothermalgebiet und in unmittelbarer Nähe die letzten Reste des Gletschers, der einst das ganze Gebirge bedeckt hat. Bei orkanartigem Wind steigen wir hinab in das angenehm warme Tal, in dem es aus unzähligen Öffnungen zischt und dampft. Nach circa 4km haben wir einen kleinen Teil des riesigen Thermalfeldes erkundet, wärmen unsere Hände nochmal im heißen Wasser und steigen dann zurück nach oben zum Parkplatz, wo uns der eisige Wind wieder empfängt.

Die nächste Etappe soll entlang des nördlichen Randes des Gletschers Hofsjökull führen. Diese Piste gilt als eine der schwierigeren Hochlandpassagen Islands. Doch zuerst muss die Blanda gefurtet werden, ein sehr schnell fließender trüber Schmelzwasserstrom. Wir sinken bereits bei der Einfahrt mit der Vorderachse tief in den gefährlichen Treibsand ein und legen umgehend den Rückwärtsgang ein, zumal rings herum nur große spitze Gesteinsbrocken zu sehen sind. So richtig geheuer ist uns das nicht. Niedergeschlagen treten wir den Rückzug an und müssen einen Umweg von ca. 150km auf zum Teil bereits gefahrenen Pisten in Kauf nehmen, um unsere Tour wie geplant fortsetzen zu können. Das soll weiter östlich am Tungnafellsjökull mit einer Tageswanderung zu einem abgelegenen heißen Fluss zwischen zwei Gletschern geschehen. Wir stehen besonders zeitig auf an diesem Tag, immerhin liegen 20km Wanderung vor uns. Das Außenthermometer zeigt 2°Celsius. Nachdem uns nach kaum mehr als 3km ein eiskalter breiter Schmelzwasserfluss in den Weg gerät, bei dessen Barfuß-Durchwatung ich mir gefühlt alles von den Knien abwärts erfriere, beginnt ein Schneesturm. Und das am 31. Juli! Wir brechen unser Vorhaben abermals völlig frustriert ab, als sich das Tal mit weißen Flocken füllt, und schwören uns, diesen „Sommer“ nicht mehr Wandern zu gehen. Bei eisigem Gegenwind laufen wir die 3km wieder zurück hinauf zum Parkplatz. Aber damit nicht genug. Als wir an der nächsten Kreuzung unseren Weg zur Caldera Askja fortsetzen wollen – das nächste Ziel dieser Hochlandetappe – ist die Straße gesperrt! Wir haben minimalen Handyempfang und werfen deshalb einen Blick auf die Internetseite der Straßenwacht und sehen dort tatsächlich die eingezeichnete Sperrung. Dass mitten im Sommer eine Hochlandstraße wegen Neuschnee und aufgeweichter Pisten gesperrt sein könnte, lag außerhalb unserer Vorstellungskraft. Laut eines Parkrangers hat es diesen Sommer so viel geregnet wie seit 30 Jahren nicht mehr, berichten uns später Sabine und Burkhard von der Pistenkuh. Zum Grad unserer Motivation zu diesem Zeitpunkt brauche ich wohl keine Beschreibungen weiter abzugeben 🙁

Unsere Entscheidung lautet: Raus aus dem Hochland, zurück an die Küste, besseres Wetter ist nicht in Sicht! Wir wagen auf dem Rückweg dann doch die schwierige Piste nördlich des Hofsjökulls, die wir eine knappe Woche vorher wegen des hohen Wasserstandes der Blanda verschmäht hatten – diesmal in anderer Richtung. Die Piste ist auf den neueren Straßenkarten nicht mehr eingezeichnet, da sie nicht mehr instand gehalten wird. Diese Herausforderung wollen wir noch annehmen. Bereits die erste Furt lässt uns das Blut in den Ohren pochen, denn das Wasser drückt durch die starke Strömung bis an die Seitenscheiben des Fahrerhauses. Der Streckenverlauf lässt sich oft nur erahnen, da Markierungspflöcke fehlen. Wenig später müssen wir die ersten schlimmeren Wunden aus dem Hochland einstecken: Eine recht ungefährlich aussehende Wasserrinne entpuppt sich als extrem tief und steil, wir schaben bereits bei der Einfahrt mit der Stoßstange an den Flusssteinen und demolieren uns bei der Ausfahrt die Einstiegsleiter des Containers. Die Leiter lässt sich nicht mehr auseinanderklappen, Andreas zerlegt sie in Einzelteile, klopft und biegt sie stundenlang wieder halbwegs gerade. Am Tag darauf muss auch die neu gekaufte Schaufel zeigen, was sie drauf hat, denn wir stecken an einem Flussufer trotz eingelegter Achssperren fest. Der lehmige Schlamm setzt das Reifenprofil aller vier Räder nach einer Raddrehung vollständig zu. Wir sitzen mit der Hinterachse auf und das Flusswasser dringt in die frisch gewühlten Löcher. Nach fünf Stunden Schaufeln, Graben, Hinterachse anheben, Steineschleppen und -unterbauen sind wir auch dort wieder raus. Zumindest scheint dabei die Sonne. Als wir an der letzten Furt ankommen, der zu Beginn bereits erwähnten Blanda, atmen wir erleichtert auf. Unsere Geduld und Mühe wird durch einen viel geringeren Wasserstand als beim ersten Versuch belohnt. Wir finden eine geeignete Stelle, an der wir zwar eine höhere Fließgeschwindigkeit in Kauf nehmen müssen, dafür aber umso weniger Treibsand, und furten ohne Probleme. Für diese heikle dreitägige Tour belohnen wir uns mit einem ausgiebigen heißen Bad in Hveravellir.

Jetzt trennen uns nur noch ca. 40km unbekannte Piste von der Schotterstraße im Nordwesten, über die wir Anfang Juli zum ersten Mal ins Hochland gelangt sind. Wir erwarten eine mühelose 1,5 Tagesetappe bis zur Ringstraße, da wir von dieser Route noch nichts Negatives gehört haben. Aber das liegt wohl daran, dass sie von Fahrzeugen unserer Gewichtsklasse noch nicht sehr oft befahren wurde. An der schmalen kurvigen Piste durch Lava- und Gesteinsfelder hätte ein Jeepfahrer sicher seine wahre Freude. Wir allerdings kommen nochmal so richtig ins Schwitzen – und an unsere (Fahrzeug-) Grenzen. Die Kurven sind oft zu eng, um sie auszufahren und die Steinbrocken zu groß, um darüber zu fahren. Wir räumen per Hand aus dem Weg, was machbar ist, schaffen uns Steinrampen, um die Reifen zu schonen, und müssen dennoch viel rangieren und manchmal auch eine Alternativkurve über das Geröll suchen. Wir haben abermals Glück, denn die Sonne scheint und die Piste ist halbwegs trocken. Die Spuren in den abgetrockneten Schmelzwasserläufen zeugen noch vom Kampf jener, die sich vor uns an der Strecke versucht haben. Für diese anstrengende Piste brauchen wir letztendlich drei Tage. Aber dann haben wir es geschafft und ein milder sonniger Tag erwartet uns im Küstenort Hvammstangi, von wo aus wir unsere Inselumrundung fortsetzen werden.

THEMA: Tektonik Islands und ihre Auswirkungen

 

 

Island ist die größte Vulkaninsel der Welt, zählt erdgeschichtlich aber zu den ‚Kleinkindern‘ – sie ist erst 15 – 20 Millionen Jahre alt (die ältesten Teile der Erde sind ca. 4 Mrd. Jahre alt). Während sich bei aufeinander zu driftenden Platten (z.B. die Pazifische unter die Eurasische) eine Platte unter die andere schiebt, und das untere Gestein im Erdkern wieder aufgeschmolzen wird, findet hier die Gegenbewegung statt. Die nach oben drückende Magma findet ihren Ausgang in der Riftzone sich voneinander wegbewegender Platten. Island ist durch das Auseinanderdriften der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatte entstanden. An den Plattengrenzen strömt Magma aus dem Erdinneren nach oben und bildete so den Mittelatlantischen Rücken, ein Gebirge unter Wasser. In Verbindung mit einer sogenannten Plume, einem extrem heißen zylindrischen Magmakanal, hat über Jahrmillionen hinweg ein so starker Vulkanismus stattgefunden, dass die Gebirgsbildung bis an die Wasseroberfläche gereicht hat. Die Platten bewegen sich heute noch durchschnittlich zwei Zentimeter im Jahr auseinander, was zu einer ständigen Gesteinsbewegung und –neubildung führt. Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, dehnt sich davon die Erde bei Þingvellir um immerhin acht Millimeter im Jahr. Die aktuelle Größe der Insel ist also lediglich ein Zwischenstand.

Entlang der Plattengrenze, die mitten durch die Insel verläuft, gibt es regelmäßige Erdbeben. Alle paar Minuten wird in Island eins registriert. Meistens wird jedoch die grenzwertige Stärke von 3,0 nicht erreicht, wodurch man von dem Ereignis überhaupt nichts mitbekommt. Viel größer als vor bebender Erde ist die Angst der Isländer vor Gletscherläufen. Da einige der aktiven Vulkane unter der dicken Eisschicht der Gletscher verborgen liegen, kommt es bei einem Ausbruch zum Schmelzen des Gletschereises von unten her. Sind die natürlichen Seen unter dem Eis vollgelaufen, kommt es zur sogenannten Katastrophalen Flut. Zusammen mit großen Geröll- und Schlammmassen schießt das Schmelzwasser unter der Eiskappe hervor und vernichtet auf seinem Weg ins Tal oft Höfe und Straßen. Dort, wo unter den Gletschern aktive Geothermalfelder liegen, passiert das alle drei bis fünf Jahre in absehbarer Größe. Doch bei einem Vulkanausbruch kann es zu einer Katastrophe kommen, wie 1996 durch den Ausbruch des Grimsvötn unter dem größten Gletscher der Insel Vatnajökull.

Die Entfernung zur flüssigen Magma aus dem Erdinneren ist unter Island also geringer als beispielsweise unter Deutschland. In Erscheinung tritt das nicht nur durch Vulkanausbrüche und Erdbeben. Versickerndes Regenwasser trifft auf heiße Gesteinsschichten, wird dadurch zum Teil bis über den Siedepunkt hinaus erhitzt. Der entstandene Wasserdampf sucht sich über Ritzen und Kanäle mit enorm hohem Druck wieder einen Ausgang nach oben – z.B. in Form eines Geysirs oder Solfatars. Diese Naturerscheinung verhilft Island übrigens zur völligen Unabhängigkeit von fossilen Heizstoffen. 73% des Energiebedarfs der Insulaner wird durch Wasserkraft gedeckt, die übrigen 27% kommen aus Geothermalkraftwerken. Doch die vorhandene geothermische Energie reicht noch für viel viel mehr. So wird ein Großteil der Haushalte mit Fernwärme versorgt, sind viele Kilometer Straße durch intelligent verlegte Fernwärmeleitungen im Winter eisfrei und gibt es auf Island dank einer großen Zahl von Gewächshäusern das nördlichste Anbaugebiet von Bananen auf der Welt.

Und an den Stellen, an denen das Wasser mit einer Temperatur von ca. 40°C  ans Tageslicht gelangt, kommen wir dann in den Genuss einer natürlichen Badewanne 😉

Rund um Geysir

 

Wir haben uns für den elterlichen Besuch ein paar Highlights des Südwestens vorgenommen und starten am ersten Tag nach der lustigen Bescherung der vielen mitgebrachten Lebensmittel mit einer Tour zu viert im Lkw direkt in das bekannte Geothermalgebiet Landmannalaugar. Dort unternehmen wir eine schöne kleine Wanderung durch die markanten farbigen Berglandschaften, mitten durch ein Lavafeld mit schwarz glänzenden Obsidianskulpturen und vorbei an einigen dampfspeienden Schwefellöchern. Bei sehr ungemütlichem Wetter legen wir noch einem kurzen Stopp am Vulkankratersee Ljotipollur ein und dann geht’s im Konvoi mit dem kleinen roten Mietwagen bis zur Pension. Nach einem sehr langen Tag verspeisen wir zusammen die am Vortag von Andreas gefangenen Forellen.

Einer der größten Wasserfälle Islands steht als nächstes auf dem Programm. Der Gullfoss beeindruckt uns mit seinen tosenden Wassermassen, die sich über zwei große Stufen in eine 70m tiefe Schlucht stürzen. Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das ca. 3km² große Thermalfeld Haukadalur, das u.a. den derzeit alle 6 bis 8 Minuten ausbrechenden Strokkur-Geysir hervorbringt. Mit dieser Regelmäßigkeit und seinen bis zu 28m hohen Fontänen, die aus dem 2 Meter großen Quellschacht empor schießen, lockt er zahlreiche Touristen aber auch Einheimische an. Bei nahezu jeder Eruption geht ein mehr oder minder lautes begeistertes Kreischen durch die Massen. Der eigentliche Namensgeber dieser Naturerscheinung, der Große Geysir, befindet sich  keine 100 Meter daneben und zählt zu den größten Springquellen der Erde. Er soll schon über 10.000 Jahre alt sein und galt bereits als inaktiv, als er im Jahr 2000 nach einem Erdbeben wieder zum Leben erweckt wurde. Wir hatten bei unserem Besuch leider nicht das Glück, einen seiner sehr unregelmäßigen Ausbrüche zu erleben, die bis zu 80 Meter hoch sein können. Das Hochtemperaturgebiet Haukadalur bringt auch zahlreiche heiße Quellen hervor, die zum Teil gut versteckt liegen und zum Baden einladen. Wir machen zwei davon ausfindig und genießen die wohltuende Wärme bei herrlichem Sonnenschein, der mit etwas Verspätung auch mit aus Deutschland angekommen ist.

Þingvellir ist ein Ort von größter nationalhistorischer und zugleich geologischer Bedeutung für Island. Wir besuchen das zum UNESCO Welterbe gehörende Gebiet, in dem in den Anfängen der Besiedlung der Insel (9. bis 13. Jh.) das jährliche Althing abgehalten wurde, einer Art Parlament des frühen Mittelalters, das für Gesetzgebung und Rechtsprechung (und auch gleich Vollzug) verantwortlich war. Zu diesem gesellschaftlichen Hauptereignis sollen sich bis zu 5.000 Menschen in Þingvellir aufgehalten haben, das mit Händlern, Handwerkern, Wettkämpfen, Kultureinlagen und auch Hinrichtungen zum wahren Volksfest geworden sein muss. Das alles ist heute in dem recht kargen Tal fast gar nicht mehr vorstellbar, viel greifbarer dagegen ist die geologische Sensation an diesem Ort. Eine lange Schlucht, durch die man laufen kann und in der die Buden der Thingbesucher gestanden haben, markiert die Grenze zwischen Europa und Amerika. Hier bewegen sich die Eurasische und die Nordamerikanische Kontinentalplatte voneinander weg – immerhin jedes Jahr Acht Millimeter. Einige weitere Gräben in dem Gebiet zeugen von der Aktivität dieser Bewegung auf der Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens.