Volvo und Co.

 

Teilweise fahren die erstöberten Gefährte noch mit gültiger Zulassung umher, teilweise werden wir aber auch auf den unzähligen (Privat-)Schrottplätzen fündig. Die Isländer trennen sich nur ungern von Ihren Altfahrzeugen, lieber sammeln sie diese in Ihren Vorgärten oder mitten auf dem Gehöft. Es könnte ja noch eine Verwendung geben…

THEMA: Island eine Fussballnation

 

Schaut man in die Statistik, belegt die isländische Fußballnationalmannschaft der Herren den Rang 52 der FIFA Rangliste. Legendär und aus deutscher Sicht in die Geschichte eingegangen ist das 0:0 Ergebnis gegen Deutschland am 06. September 2003. Der damalige Teamchef, (es gibt nur ein) Rudi Völler verlor während des anschließenden ARD Interview die Beherrschung und beleidigte die anwesenden Kommentatoren. Waldemar Hartmann kam so zu seinem anschließenden Werbevertrag als „Weißbier Waldi“, der ein oder andere von euch wird sich sicherlich noch daran erinnern.

Die isländischen Herren trafen bei der Qualifikation zur diesjährigen WM auf  Albanien, Norwegen, Schweiz, Slowenien und Zypern. In dieser Gruppe erreichte Island den zweiten Platz, verlor in den anschließenden Play- Offs allerdings (0:0) 0:2 gegen Kroatien.

Die Frauen belegen derzeit den Rang 16 der FIFA Rangliste. Sie konnten sich zuletzt für die Europameisterschaften 2009 und 2013 qualifizieren und schafften es letztes Jahr sogar bis ins Viertelfinale.

Nun weg vom Zahlengeplänkel, unser erster Eindruck ist: Island ist eine Fußball(verrückte)-Nation. Die Sportplätze sind täglich gut belegt. Mädchen und Jungen, Frauen und Männer aller Altersklassen trainieren gleichermaßen ausdauernd und viel. Der Schulsport scheint fast nur aus Fußball zu bestehen. Die Spiele der heimischen Fußballmannschaften egal ob Männlein oder Weiblein sind gut besucht und avancieren zu 90+ minütigen Familienfesten. Statt Sitzplatztribünen gibt es in den Kleinstädten Liegewiesen für die Picknickdecke bzw. Stellplätze für die Autos. In dieser Autokino-Atmosphäre wird nicht der Sitz-, sondern der Parkplatz bezahlt. Bei schlechtem Wetter bleibt die Familie im Auto sitzen und fällt ein Tor der eigenen Mannschaft, wird lautstark gehupt. In der Halbzeitpause wird das Spielfeld von den Kids und ihren junggebliebenen Eltern genutzt, um selbst ein wenig zu kicken.

Wir konnten unter anderen am 15. Juni 2014 ein Spiel der Frauen Húsavik gegen Reykjavik live erleben. Reykjavik gewann 4:1. Ich denke, spätestens in Reykjavik zieht es uns erneut zu einen Knattspyrna (isl. Fußball) – Spiel der Frauen. Wer kann den wehenden langen blonden Haaren schon widerstehen?

Húsavik und Akureyri

 

Húsavik ist ein sehr anschauliches Städtchen und gilt als Europas erste Adresse fürs Whale-Watching. Die Wahrscheinlichkeit, auf einem der stündlich fast gleichzeitig ablegenden Boote drei verschiedener Gesellschaften auf Wale zu treffen, liegt angeblich bei 98%. Zusammen mit einer großen Gruppe Franzosen stechen wir auf einem umgebauten Eichen-Fischerboot zur Walbeobachtungstour in See und bekommen in den drei folgenden Stunden einen Buckelwal aus nächster Nähe und die meterhohen Fontänen zweier Blauwale von weitem zusehen. Das ist nicht die allergrößte Ausbeute, wenn man bedenkt, dass es hier Schweinswale, Pottwale, Orkas und Delphine zu sehen gibt, aber wir sind ja schließlich auch nicht im Zoo. Hier merken wir, dass sich die Boote am einmal entdeckten Wal defacto die Klinke in die Hand geben, es sind immer mindestens zwei Boote da. Die Tour hat uns trotzdem beeindruckt.
Es gibt neben dem interessanten Wal-Museum viele Fischrestaurants, Shops und Cafés. Wir fühlen uns hier auf Anhieb wohl und entscheiden, ein paar Tage zu verweilen. (Nicht zuletzt auch wegen der dringend benötigten Waschmaschine, die es auf dem Campingplatz gibt) In den nächsten Tagen bummeln wir durch Húsavik, schauen uns ein Fußballspiel an, wandern auf den „Hausberg“, um das tolle Panorama über die Stand und die Skjálfandi-Bucht zu genießen, und besuchen mal wieder das örtliche Schwimmbad. Der Besuch im Walmuseum ist sehr informativ und lehrreich. Wir wissen jetzt, dass Whale-Watching die sicherste Methode ist, etwas gegen die Befürworter des Walfangs zu tun und dass die Bewohner der Färöer-Inseln noch immer eine Art Treibjagd auf Wale machen. Eingeprägt hat sich uns außerdem, dass Pottwale sich oft mit Hilfe eines dritten Wals fortpflanzen, der die auf dem Rücken schwimmende Walkuh von unten stützt. 😉
Wir merken bald, warum uns das kleine Städtchen so gefällt – überall stehen Baume und kleine Wälder und die saftigen Wiesen sind überzogen von bunten Blumen, eben ein bisschen wie zu Hause. Besonders schön in dieser Gegend sind die Lupinenwiesen, die sich von der Stadt bis an die Berghänge ziehen und gerade in voller Blüte stehen.
Nachdem auch die Wäsche der dritten Waschmaschine getrocknet ist, verladen wir das Quad und brechen wieder auf. Nächster Halt ist das eigentümliche Fahrzeugmuseum Ystafell, wo wir neben einigen schicken Raritäten und völlig rostigen Kisten sogar einen Trabbi entdecken. Ein paar Bilder gibt’s noch gesondert unter der Kategorie Fundstücke. Auf dem Hof dürfen wir sogar über Nacht bleiben, fallen ja auch gar nicht weiter auf. 😉 Am nächsten Tag machen wir einem Abstecher zum wunderschönen Wasserfall Goðafoss – der Wasserfall der Götter, der seinen Namen um das Jahr 1000 erhielt, als ein Gode nach beschlossenem Übertritt zum Christentum seine Götterstatuen in die tosenden Wassermassen warf.
Dann geht’s weiter nach Akureyri – der Hauptstadt des Nordens – mit ca. 17.000 Einwohnern Islands zweitgrößter Stadt nach der Hauptstadt Reykiavik. Nach den letzten Tagen auf abgeschiedenen freien Stellplätzen fahren wir hier wieder einen Campingplatz an. Der liegt an einem Wäldchen etwas außerhalb der Stadt, aber dank Quad sind wir schnell in der City. In Akureyri steppt nach isländischem Maß der Bär: Es gibt ein Theater, eine Künstlerstraße, einen Botanischen Garten, eine Shopping-Mall, eine Fußgängerzone mit jeder Menge Boutiquen und Cafés, ein paar Nachtclubs, Restaurants, Backpacker-Kneipen und natürlich Souvenirläden. Wir gehen Shoppen, schauen uns zu Fuß die Innenstadt an und besuchen die Flugschau, die an diesem Wochenende auf dem dortigen Flugplatz stattfindet. Dass Sonntag ist, merkt man hier nicht, denn dank zwei großer Kreuzfahrtschiffe, die im Hafen angelegt haben, sind alle Geschäfte geöffnet und die Innenstadt voller Menschen.
Akureyri ist übrigens eine Stadt mit Herz – in vielen Schaufenstern sieht man sie und sogar an Ampeln. Der Aufruf nach mehr Herz soll seinen Ursprung während der Bankenkrise und des knapp verhinderten isländischen Staatsbankrottes 2008 gehabt haben.

PS: Für den einen oder anderen spezifischeren Beitrag außerhalb unserer Reiseberichte gibt es ab sofort die neue Kategorie THEMA. Außerdem habt ihr jetzt auf der rechten Seite die Möglichkeit, unsere Route und unseren Standort nachzuverfolgen. Viel Spaß!

Von der Fuchsebene in den Walfjörd

 

Auch im nächsten Abschnitt unserer Reiseroute halten wir uns weiter in westlicher Richtung an der Nordküste Islands entlang. Auf dem Weg zur namenlosen Halbinsel, auf der sich die große Fuchsebene (Melrakkasletta) befindet, legen wir noch einen Zwischenstopp auf der kleinen Halbinsel Rauðanes ein. Hier gibt es wunderschöne Felsformationen mit unzähligen Höhlen, die sich über Jahrmillionen durch das Wegwaschen des Gesteins unter der Lava gebildet haben. Auf einer Wanderung an der Küste entlang treffen wir trotz dichten Nebels wieder auf eine große Menge brütender Seevögel.  Die nächste Tagesetappe führt uns bis zur nördlichsten Siedlung Islands – der 400-Seelen-Gemeinde Raufarhöfn, wo wir wie im letzten Artikel beschrieben, wegen der Spiritus-Bestellung einen dreitätigen Aufenthalt einlegen müssen.  Die Zeit überbrücken wir allerdings problemlos mit einem Schwimmbad- und Saunabesuch, kleinen Wanderungen und einem Ausflug zum „Arctic Henge“. Dieser leider noch im Bau befindliche Steinkreis ist ein Versuch, die isländische Mythologie mit einer modernen Form der schottischen Stone Henges zu kombinieren – das ganze sieht jetzt schon recht beeindruckend aus.

Nachdem wir unseren teuren Spiritus eingeladen haben, geht’s weiter über die Melrakkasletta zu einem Angelsee. Die Gegend ist zwar mit einer Art flacher Heidelbeersträucher begrünt, aber doch sehr öde und völlig menschenleer. In den zwei Nächten, die wir hier oben verbringen, kommen nur eine Hand voll Autos gefahren. Hier liegt wahrscheinlich nicht der sprichwörtliche Hund, sondern der Fuchs begraben, denn einen Polarfuchs haben wir auch hier nicht gesichtet.

Als wir die Westseite der Melrakkasletta erreichen, passieren wir die Nupar-Berge, dahinter lässt endlich der eisige Wind etwas nach, der neben dem Sonnenschein in den letzten Tagen unser steter Begleiter war. Im Örtchen Kopasker legen wir den nächsten Stopp ein. Hier besuchen wir das Erdbebenmuseum, das sehr ausführlich und interessant über das letzte große Erdbeben von 1976 berichtet. Hier wird deutlich, dass wir uns jetzt schon sehr nah an der tektonischen Grenze der eurasischen und der amerikanischen Platte befinden, die Island fast mittig in zwei Teile teilt.

In Kopasker wollen wir eigentlich unsere Nahrungsmittelvorräte wieder auffüllen, erfahren aber von einem Einheimischen, dass der Supermarkt im Ort derzeit geschlossen ist. „Und wo bekommt ihr eure Lebensmittel her?“ frage ich. „Wir fahren einmal in der Woche nach Husavik oder Akureyri.“ bekommen wir zur Antwort, als wäre es das selbstverständlichste der Welt, für den Lebensmitteleinkauf mal eben 80 bzw. 180km zurückzulegen – pro Strecke! So fahren wir also die nächste ca. 40km entfernte Tankstelle an und decken uns dort wieder mit dem Nötigsten ein.

Unsere nächste Etappe lässt uns einen Abstecher ins Landesinnere machen, denn hier liegen ein paar touristische Must-Have‘s, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Die drei wunderschönen großen Wasserfälle Hafragilsfoss, Dettifoss und Selfoss entschädigen uns für die wirklich üble Waschbrett-Schotterpiste dorthin und wir übernachten ganz imposant auf einem Felsplateau direkt über einem der laut rauschenden Wasserfälle. Unsere nächsten touristischen Ziele auf dieser Route sind das aktive Vulkangebiet Krafla mit seinen unzähligen Nebenkratern und dem Geothermalkraftwerk und das gelbliche weithin sichtbare Solfatarenfeld Namaskarð. Hier blubbert, brodelt und zischt es überall und der Schwefelgeruch nach faulen Eiern ist wirklich übelerregend. Zu Geologie und Tektonik Islands gibt’s später noch einen separaten Beitrag.

Den von Wohnmobilen überlaufenen See Myvatn lassen wir nach langer Stellplatzsuche anders als geplant doch links liegen, da es hier (außerhalb der Campingplätze) wahrscheinlich mehr ‚Camping verboten‘–Schilder gibt, als Einwohner. Stattdessen suchen wir uns den nächstgelegenen Angelsee und verbringen dort zwei sehr ruhige Tage.

Anschließend geht’s wieder nordwärts. Unterwegs passieren wir den kleinen Geysir Hveravellir mit angeschlossener Gewächshaus-Gemüsegärtnerei und Thermalbad und setzen unseren Weg mit aufgefülltem Gemüsevorrat und frisch geduscht bzw. geschwefelt nach Husavik fort. Denn wir haben am Vorabend per Internet eine Wal-Beobachtungstour gebucht.

Spiritus Sanctus

 

Um etwas Abwechslung in unsere Reiseberichte zu bekommen, gibt es heute eine Episode zu unserer Spiritus-Odyssee. Wie vielleicht einige von euch wissen, haben wir zwei Spiritus-Kocher an Bord. Einen zwei-flammigen Orego-Kocher und einen kleinen Sturmkocher für den Notfall. Für den folgenden Notfall hat er uns aber leider auch nichts genutzt…

In Deutschland ist Spiritus ja fast überall zu haben, so haben wir auch keinen Gedanken daran verschwendet, die Verfügbarkeit in Island zu recherchieren. Während in der zweiten Woche unser mitgebrachter Spiritusvorrat so langsam zur Neige geht, halten wir schon überall Ausschau nach Nachschub. In den ersten Tankstellen und Supermärkten sehen wir keinen, halten uns mit der Suche allerdings auch nicht ganz so lange auf – reicht ja schließlich noch ein paar Tage! Bei Anbruch der letzten Flasche werden wir langsam nervös, fangen an, in den Ortschaften mit der leeren Flasche aus Deutschland nachzufragen – und ernten ausschließlich fragende Gesichter. Da wir uns gerade im Nordosten Islands aufhalten, einer der am dünnsten besiedelten Gebiete der Insel, gibt es auch keine Baumärkte oder ähnliches. Hier wird alles Lebensnotwendige in den Tankstellen oder kleinen Supermärkten angeboten – fast alles. In der Tankstelle von Vopnafjördur schließlich empfiehlt uns die Verkäuferin eine ähnlich riechende Flüssigkeit, wir kaufen zähneknirschend die Literflasche für fast 6€ und als unser Spiritus alle ist, kommt dieses Wässerchen in den Kocher und es passiert – dreimal dürft ihr raten – Nichts! Das Zeug brennt nicht! Nach ein paar Experimenten stellt sich heraus, dass das Grillanzünder ist, der aus Sicherheitsgründen liquide abgefüllt nicht brennbar ist – Mist!

Was nun? Erstmal geht es auf direktem Wege in die nächste ca. 60km entfernte Tankstelle nach Thörshöfn: „Nein, sowas haben wir nicht.“ Hören wir auch hier wieder. Dann in den dortigen Supermarkt. Da wir auch hier wieder dieselbe Antwort bekommen, beschließen wir kurzerhand, eine Packung Teelichter zu kaufen. Sieben Teelichter hübsch im Sturmkocher positioniert, bescheren uns immerhin nach einer Dreiviertelstunde kochendes Wasser für zwei Tassen Tee. :/

Abends erfahren wir beim Stöbern im Internet, dass es vielen anderen Spiritus-Kocher-Besitzern vor uns ähnlich erging und stoßen auf das isländische Pendent zum deutschen Spiritus – immerhin haben wir jetzt ein Bild der Verpackung. Am nächsten Tag fahren wir gleich weiter in den nächsten Ort Raufarhöfn – wieder ca. 50km, wieder kein Spiritus an der Tankstelle, wieder kein Spiritus im Tante-Emma-Laden. Die nette Verkäuferin dort verweist uns jedoch an die örtliche Allround-Werkstatt. Dort angekommen, finden wir die Männer in gemütlicher „Beine-auf-dem-Stuhl-Runde“ vor. Die örtliche Feuerwehr, Baujahr 1987 wird gerade „gewartet“. Einer der Jungs, Julius, scheint auf unsere Nachfrage hin sogar gewillt, aufzustehen und führt uns in ein kleines Lager mit vielversprechender Gefahrstoff-Sammlung. Nach einer Weile stummen Suchens eröffnet er uns, dass das Zeug alle sei – auch das noch! Ob er es denn bestellen kann, fragen wir: „Klar, das geht!“ sagt Julius und wir vereinbaren, mindestens 5 Liter am nächsten Abend 18:00 Uhr abzuholen. Wir sind selig und genießen am nächsten Morgen zum hoffentlich letzten Mal unseren Teelicht-Cappuccino.

Zum vereinbarten Abholzeitpunkt finden wir die Werkstatt dunkel und verschlossen vor. Nach einigen Telefonaten stellt sich heraus, dass der Spiritus heute gar nicht angeliefert worden ist. Niedergeschlagen treten wir den Rückweg an, haben Julius jedoch unsere Handynummer hinterlassen. Also nochmal die Teelicht-Methode (langsam gehen auch die Teelichter zur Neige). Am nächsten Vormittag dann endlich der Anruf – der Spiritus ist da! Wir nehmen erstmal eine Flasche zum Testen und holen dann den Rest auch noch ab.

Geschätzt kommen wir jetzt wieder vier bis fünf Wochen damit hin. Bedenkt man allerdings, dass wir für den Liter inklusive Expresslieferungs-Zuschlag sage und schreibe 12€ bezahlt haben, hätte sich die Installation einer Gas-Anlage wahrscheinlich doch gelohnt.

Die Halbinsel Langanes

 

Nach ein paar sehr erholsamen Tagen im beschaulichen Fischerörtchen Vopnafjördur verladen wir unser Quad wieder und setzen unsere Tour Richtung Norden fort. Die Reiserichtung hat sich übrigens als segensreiche Entscheidung herausgestellt – das Wetter zeigt sich völlig Island-untypisch von seiner schönsten Seite und beschert uns beiden den ersten Sonnenbrand. Im Freibad Selárdalslaug direkt an der Selá – einem der teuersten Lachsflüsse Islands – legen wir noch eine kleine Pause ein. Gut aufgewärmt vom 38° heißen Quellwasser und frisch geduscht setzen wir unsere Reise fort.

Die Halbinsel Langanes galt bis in die 1930er Jahre als äußerst ertragreich – aber nicht im deutschen Sinne, die Vegetation ähnelt einer Mondlandschaft! Die begehrten Rohstoffe waren neben Fisch, Robben und den Eiderenten-Daunen auch enorme Treibholzmengen aus Sibirien. Langanes rühmt sich heute für ihren Vogel- und Fischreichtum und in beides bekommen wir in den nächsten Tagen außerordentlich gute Einblicke.

Auf der Strecke dorthin sehen wir wieder einmal jede Menge verlassener Höfe. Diese gehören in dem Teil Islands, den wir bis jetzt bereist haben, zum alltäglichen Bild. Manchmal hat man den Eindruck, als seien die Besitzer Hals über Kopf geflohen – Fahrzeuge stehen da vor sich hin rostend und teilen sich die Wiesen mit den allgegenwärtigen Schafen. Manchmal kann man aber die Größe des ehemaligen Hofes nur noch anhand der zugewachsenen Mauerreste erahnten. In erster Linie führte die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zu dieser Landflucht. Die erste große Abwanderungswelle hatte ihren Beginn in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die konventionelle Fischerei von großen industriellen Motorfangschiffen verdrängt wurde. Wir stoßen nach vielen Kilometern heftiger Schotterpiste durch menschenleere Gegenden auf die Ruinen des Ortes Skalar. Dieses abgeschiedene Dorf hatte 1942 noch über 100 Einwohner, die bereits fünf Jahre später zum überwiegenden Teil abgewandert waren. Der Ort hat eine ganz eigene Atmosphäre mit seinen vielen Mauerresten und Zeugen, einstiger Betriebsamkeit. Etwas befremdlich hingegen wirkt der von der Isländischen Rettungsgesellschaft aufgestellte orange-rote Emergency Shelter hier, einer Art Nothütte mit dem Aussehen eines Raumschiffes, die allerding schon des Öfteren in Anspruch genommen werden musste, wie wir im Gästebuch nachlesen. Wir beschließen, uns einen Stellplatz zwischen den Ruinen zu suchen und hier einige Tage zu bleiben. In diesen drei Tagen verirren sich nur drei Mal Menschen hier her. Dafür bekommen wir unerwartet zahlreichen Besuch von jeder Menge grasender Schafe, die uns an einem Morgen durch das Schlagen ihrer Hörner an den MAN recht unsanft aus dem Schlaf holen. Andreas hat vor, sich ein paar Stunden Zeit mit Angeln in einem küstennahen See zu vertreiben, muss jedoch nach einer halben Stunde schon aufhören, weil er schon mehr Forellen gefangen hat, als wir beide an einem Abend essen können. Frisch vom Grill lassen wir uns diese Delikatesse schmecken! Im Meer dagegen hat er diesmal kein Glück, die Robbe aber, die hier mehrere Stunden auf und ab taucht, kommt mit deutlich mehr Fischen an die Wasseroberfläche und kaut vor unseren Augen auch noch genüsslich darauf herum 😉

Zu guter Letzt muss natürlich noch von der phänomenal guten Möglichkeit zur Vogelbeobachtung erzählt werden. An gut sieben Kilometern Steilküste wimmelt es nur so von Möwen, Eissturmvögeln, Basstölpeln, Lummen und den putzigen Papageitauchern. Es ist unglaublich laut hier, alle kreischen durcheinander und erschwerend kommt auch noch der intensive Guano-Geruch hinzu – puh! Aber durch Anpirschen bis an den Klippenrand auf allen Vieren gelingen uns prima Porträtaufnahmen aus nächster Nähe.

PS: Ab sofort findet ihr weitere Bilder unter den zwei neuen Kategorien „Flora und Fauna“ und „Fundstücke“. Viel Spaß beim Stöbern!