Eingewöhnung

 

Wir sind im kleinen Hafenstädtchen Seydisfjördur angekommen, jetzt geht’s über den ersten Pass nach Egilsstadir zum Einkaufen in den nächstgrößeren Supermarkt. Die schneebedeckten Berge sehen von unten wunderschön aus. Vor dem Anstieg steht eine große Anzeigetafel, auf der etwas Isländisches und „-2°“ zu lesen ist. Wir denken, die Anzeige ist kaputt, immerhin sind wir bei herrlichem Sonnenschein und etwa 8°C losgefahren. Je höher wir kommen, desto tiefer ist der Schnee rechts und links der Straße. Auf der Passhöhe angekommen, wollen wir die tolle Aussicht fotografisch festhalten und steigen dazu aus. Jetzt wissen wir, dass die Anzeige nicht kaputt war. Wir schießen schnell ein Foto, rennen zurück ins Fahrerhaus und gucken uns ganz entsetzt an:  Hätten wir vielleicht doch besser eine Mittelmeerumrundung machen sollen?

Unsere ersten Wege führen uns dann zum Supermarkt, in den Handy-Laden und anschließend zurück in den Shelter zum Kleiderschrank – ins Fach mit den Unterhosen und dicken Socken 😉

Wir verabreden uns dann noch mit Burkhard und Sabine bei einem möglichen Stellplatz für die erste Nacht und fahren Richtung Süden los. Dort angekommen, unternehmen wir bei herrlichem Sonnenschein noch eine kurze Wanderung zu einem Wasserfall und sitzen anschließend noch eine Weile gemütlich in der Pistenkuh zusammen.

Der nächste Tag zeigt sich von einer völlig anderen Seite – es schneit! Wir versuchen uns erstmals auf  Schotterpisten, um deren Zustände abschätzen zu können und entscheiden uns dann doch, Richtung Norden aufzubrechen. Unser Weg führt uns in den nächsten Tagen durch teilweise niedrig bewaldete Landstriche und enorm vogelreiche Flussdeltas, an unzähligen kleinen und großen Wasserfällen vorbei und immer wieder über schneebedeckte Pässe. Den ersten Höhepunkt bildet der Besuch der kleinen Insel Hafnarholmi im Fischerdorf Borgarfjördur, wo wir dank Vorsaison völlig ungestört Balz- und Brutverhalten von Eiderenten, Möwen, Eissturmvögeln und den putzigen Papageitauchern beobachten können.

Nach diesen tollen Erlebnissen folgen auch recht ernüchternde. Wir müssen innerhalb weniger Stunden mehrfach unsere geplante Route ändern, da immer wieder Straßen aufgrund von Schnee und Eis gesperrt sind. Wenn man Glück hat, steht bereits mehrere Kilometer vor der Sperrung ein entsprechender Hinweis. Oder man sieht an der Stelle, an der der Abzweig eigentlich hätte sein müssen, ein „LOKAD“-Schild im Schnee stecken –  gesperrt! Wenn man allerdings Pech hat – so wie wir – dann gibt es gar kein Warnschild, man steckt bereits in der ersten Schneewehe fest und darf die Schaufeln an Bord auf ihre Schneetauglichkeit testen. Nach diesen Erlebnissen und den recht hektischen letzten Tagen, an denen wir ständig bestrebt waren, weiteres Neuland zu erkunden und keine zwei Nächte hintereinander am selben Ort verbracht haben, fühlen wir uns ganz schön gehetzt. Wir stellen fest, dass wir eigentlich gar nicht auf der Flucht sind und noch sooo viel Zeit haben…

Glücklicherweise finden wir kurze Zeit später einen idyllischen windgeschützten Stellplatz im Fischerörtchen Vopnafjördur am Meer, der uns endlich mal für ein paar Tage abspannen lässt. Wir versuchen zwar, Campingplätze zu meiden, stehen hier allerdings auf einem menschenleeren Platz, der eigentlich erst im Juni aufmacht, und genießen neben der Ruhe auch den ersten Fisch, den Andreas gefangen hat – einen Kabeljau!

Wir haben uns nach der ersten Woche so langsam in Island eingewöhnt. Haben gelernt, unsere Routenpläne vorher mit der Internetseite der Isländischen Straßenmeisterei abzugleichen, haben gelernt, dass für schönes Wetter Sonne wichtiger ist als Temperatur und wir haben einen Weg gefunden, am teuren Fleisch aus dem Supermarkt vorbei zu kommen –  Fisch, selbst geangelt 😉

Wikinger Kreuzfahrt

 

Wir haben uns tatsächlich auf der großen Fähre wiedergefunden 😉 Wir stehen beide an Deck und sagen uns grinsend, dass es jetzt wirklich kein Zurück mehr gibt, als die Norröna mit einer Dreiviertelstunde Verspätung ablegt. Die drei folgenden Tage verlaufen ehrlich gesagt recht unspektakulär. Die Fähre ist in weniger als einer halben Stunde erkundet, da jedoch meist die Sonne scheint, suchen wir uns mit unserer Lektüre auf den Open Decks windgeschützte Plätzchen und genießen das Nichtstun. Unterbrochen wird das nur durch Essen und Schlafen und der Bewältigung leichter Übelkeit, die sich trotz mäßigen Seegangs bei uns beiden einstellt. Am Tag 2 passieren wir die Orkney und die Shetland Inseln. Am Tag  3 erreichen wir dann die Färöer Inseln, auf denen wir einen 9stündigen Aufenthalt haben. Den nutzen wir in erster Linie für eine ausgiebige Dusche, da das Schiff im Hafen mal nicht schaukelt und uns in der Kabine ohne Fenster nicht gleich schlecht wird 😉

Nach einem angenehmen Abend mit der Crew der Pistenkuh und einer weiteren recht unruhigen Nacht bei etwas mehr Seegang auf dem Nordatlantik sind wir froh, am Morgen bei herrlichstem Sonnenschein aber klirrender Kälte in den Hafen von Sejdisfjördur einzulaufen und unsere Schwungscheibenelli (diesmal zu zweit) auf dem Lkw-Deck in Empfang nehmen zu dürfen. Nachdem wir dann das halbe Deck in eine dicke Abgaswolke gehüllt haben und aus dem Schiff herausgefahren sind, werden wir auf direktem Wege in die Großgarage des isländischen Zolls gebeten, der unser Gefährt anscheinend auch ganz interessant findet. Dort erwartet uns eine ausgiebige Durchsuchung inklusive Spürhund aber auch die überraschend unkomplizierte Erledigung sämtlicher Formalitäten für unseren 5-monatigen Aufenthalt, bevor wir dann endlich aus dem Hafen entlassen werden. Gefunden hat der Zoll bei uns übrigens nichts, anders als bei dem Dresdner Reisebus neben uns, der um einige Wein- und Sektflaschen, Bierkisten und Lebensmittel erleichtert worden ist. Für die Touristen, die das ganze unter der Bezeichnung „9 Tage Wikinger Kreuzfahrt“ gebucht haben, geht es nach einer Tagesbustour auf Island wieder drei Tage zurück nach Dänemark – schon witzig irgendwie.

Wir hatten zwar wie gesagt einen verhältnismäßig ruhigen Seegang, sind aber dennoch froh, die Fährfahrt hinter uns zu haben. Denn jetzt kann es wirklich losgehen!

Anreise Teil 2

 

Nach der vorerst letzten Etappe auf Land kommen wir am Freitagnachmittag in der übersichtlichen Hafenstadt Hirtshals im äußersten Norden Dänemarks an. Dort suchen wir den im Campingführer als günstigen Ausgangspunkt für Fährüberfahrten gepriesenen Platz und sind eigentlich kaum überrascht, als dieser sich die wirklich gute Lage mit ganzen 30 € für eine Übernachtung entlohnen lässt (in Zierow haben wir 8 € bezahlt!). Dafür werden wir allerdings mit einem schönen Lkw-Portrait vor dem Leuchtturm, einen Ausblick bis zur Hafeneinfahrt und einem Abendspaziergang am Strand belohnt, der direkt über die Steilküste vom Campingplatz aus erreichbar ist. Wir merken schon hier, dass die Vielfalt der Campingmobile um einige geländegängige Gefährte bereichert wird, und ernten auch hier wieder eine Menge staunender und ungläubiger Blicke auf unseres.

Den nächsten Morgen gehen wir recht ruhig an. Nachdem sich aber das Aufregungskribbeln im Bauch steigert, als wir unsere Fähre vom Frühstückstisch aus in den Hafen einlaufen sehen, packen wir unsere restlichen Siebensachen zusammen, die wir für den Fähraufenthalt aus dem Lkw brauchen und verstauen alles Übrige (hoffentlich) seetauglich. Gegen Mittag machen wir uns auf zum Pier, denn die Norröna soll um 15:00 Uhr ablegen und die Beladung beginnt zwei Stunden davor. Die restliche Wartezeit vor dem Check In lässt uns immer begeisterter die unzähligen 4×4 WoMos, Pick Ups und Selbstumbauten bestaunen, die sich um uns herum sammeln. Wir kommen hier schon mit einigen ins Gespräch. Schließlich entdecken wir sogar überraschend das in der Globetrotter-Szene bekannte Ehepaar Burkhard und Sabine Koch mit ihrer markanten lila Pistenkuh – wen es interessiert, der kann sich die überaus interessante Geschichte der beiden gern auf deren Website www.pistenkuh.de ansehen.

Jetzt heißt es aber erst mal, sich kurz zu verabschieden, denn in das Lkw-Deck darf nur der Fahrer einfahren, alle anderen müssen über den Passagier-Eingang in die Fähre. Aber zum Glück ist die Pistenkuh hinter uns und filmt die Einfahrt mit ihrer Action-Kamera. Das Video besorgen wir uns noch.

Anreise

 

Nach einem etwas verspäteten Start am Montag 12.05. sind wir am Abend bei Diana, Sascha und Kindern in der Nähe von Magdeburg angekommen. Am nächsten Morgen geht’s weiter Richtung Ostsee, auf einem Campingplatz in Zierow bei Wismar verbringen wir die Nacht.

Die nächste Etappe führt uns bis kurz hinter die dänische Landesgrenze auf die Insel RØMØ. Donnerstag verbringen wir am breiten Nordseestrand.

Am Nachmittag brechen wir auf weiter Richtung Norden. In Toftum Bjerge haben wir einen Platz für die Nacht gefunden.